Die Kirche San Biagio
Das „düstere“ Mittelalter
Als einziges Gebäude in Cannara, das sein mittelalterliches Erscheinungsbild bewahrt hat, stammt die kleine romanische Kirche San Biagio aus dem 13. Jahrhundert. Ein Dokument, in dem die Mönche von San Benedetto del Subasio sie unter ihren Besitzungen aufführen, belegt ihre Existenz bereits im Jahr 1244. Zwischen 1481 und 1652 gehörte sie den Regularkanonikern von San Salvatore in Lauro in Rom und wurde anschließend dem Bistum Assisi zugeordnet.
Das Gebäude muss im Gemeinschaftsleben von großer Bedeutung gewesen sein: Die Gemeindestatuten von Cannara (1536, Teil III, Rubrik LV) bestimmten, dass Frauen, die in Strafverfahren aussagen mussten, vom Podestà genau in der Kirche San Biagio vernommen wurden – und zwar im Beisein einer weiteren Frau. Der heilige Blasius wird in Cannara noch heute sehr verehrt: Am 3. Februar, seinem Festtag, finden traditionelle Geschicklichkeitsspiele statt, darunter das sogenannte Ruzzolone, bei dem eine Käselaib durch die Gassen gerollt wird, und es gewinnt, wer ihn am weitesten bringt.Die spätgotische Fassade ist aus abwechselnden Reihen von weißen und rosafarbenen Steinquadern aus Assisi errichtet. Ein schönes Steinportal tritt hier hervor, mit geschnitzten Kapitellen und einem Rosenfenster darüber, das von zwei Einzelfenstern flankiert wird.