Das Meisterwerk von Jacopo Siculo: Der Heimgang der Jungfrau
Im hinteren Teil der Kirche, insbesondere in der Apsisnische, bewundert man den Freskenzyklus von Jacopo Siculo (Giacomo Santoro da Giuliana), der 1536 im Auftrag der örtlichen Gemeinschaft entstand und vollständig der Jungfrau Maria gewidmet ist. Als Künstler der Schule Raffaels und Schwiegersohn des berühmten Giovanni di Pietro, genannt Lo Spagna, schuf er ein bedeutendes Beispiel der Malerei des 16. Jahrhunderts.
Das Hauptwerk, Der Heimgang der Jungfrau (oder Dormitio Virginis), zeichnet sich durch seine besonderen Merkmale aus. Der Künstler illustriert die Erzählung der Legenda Aurea: Während die Apostel die Bahre Mariens tragen, vertreibt ein Engel einige Juden, die versuchen, sie umzustürzen und zu entweihen. Die Szene ist reich an ausdrucksstarken Details: die intensiven Gesichter der Apostel und des heiligen Johannes des Täufers, die Naturlandschaft mit der Burg von Vallo im Hintergrund und vor allem die Figur des heiligen Thomas, der abseits hinter der Gruppe dargestellt ist, erkennbar an seiner himmelblauen Tunika, dem roten Mantel und dem Gürtel, den er in der Hand hält.
Die Darstellung der Burg von Vallo di Nera besitzt zudem einen starken historischen und symbolischen Wert. Nach dem Aufstand von 1522, bei dem zahlreiche Gemeinden unter der Führung von Petrone da Vallo gegen Spoleto rebellierten, wurde die Burg fast vollständig zerstört. Das Fresko aus dem folgenden Jahrzehnt zeigt bereits die wiederaufgebauten Mauern, Türme und Häuser. Wahrscheinlich beauftragten die Einwohner von Vallo di Nera Jacopo Siculo mit einem Fresko, das sich an den Geschichten der Jungfrau von Filippo Lippi im Dom von Spoleto orientierte, um die politische und religiöse Allianz mit Spoleto zu erneuern.
Den Zyklus vervollständigen im oberen Teil der Apsis die Krönung der Jungfrau sowie auf der Vorderseite des Bogens die Verkündigung.
Weitere künstlerische Zeugnisse
Zu beiden Seiten der Apsis wachen die monumentalen, lebensgroßen Figuren des heiligen Sebastian und des heiligen Rochus über den Kirchenraum. Ebenfalls Jacopo Siculo wird ein Schmerzenschristus mit den Symbolen der Passion zugeschrieben.
Das künstlerische Erbe der Kirche reicht noch weiter: Entlang der Seitenwände befinden sich die vierzehn Kreuzwegstationen aus dem Jahr 1749, während sich am Eingang ein Taufbecken und ein Weihwasserbecken aus Stein aus dem 16. Jahrhundert befinden. Zahlreiche weitere Gemälde des 16. Jahrhunderts sowie Reliquien aus dem Zeitraum von 1722 bis 1814 bereichern das Kulturgut des Bauwerks zusätzlich.