Sgraffito-decorated façade of Palazzo Vitelli alla Cannoniera with an Italian-style garden and visitors.

Palazzo Vitelli alla Cannoniera

In Città di Castello gibt es einen Ort, der Geschichten von Adel, Kunst, Einfallsreichtum und sogar Geheimnissen erzählt: den Palazzo Vitelli alla Cannoniera.

Er wurde nahe der Stadtmauer an der Stelle einer ehemaligen Kanonengießerei errichtet – daher der Name „Cannoniera“ – und ist einer von fünf Palästen, die von der mächtigen Familie Vitelli erbaut wurden, welche die Stadt über lange Zeit prägte. Trotz seines kriegerischen Namens steht hier nicht die Stärke, sondern die Eleganz im Mittelpunkt. Der zwischen 1521 und 1532 von Antonio da Sangallo dem Jüngeren und Pier Francesco da Viterbo errichtete Palast zählt zu den schönsten Residenzen der Familie Vitelli.

Der lokalen Überlieferung zufolge hängt seine besondere Eleganz mit der Hochzeit von Paola Rossi aus San Secondo Parmense, Enkelin von Giovanni delle Bande Nere und Witwe von Vitello Vitelli, und Alessandro Vitelli, einem Feldherrn im Dienst der Medici, zusammen. Die Verbindung sollte „die Erinnerung an ihren Namen und ihren Ruhm bewahren“, wie eine Inschrift im Inneren des Palastes berichtet. Die Hochzeit fand im Jahr 1531 statt.

Der Palast blieb über Jahrhunderte im Besitz der Familie Vitelli. Anfang des 20. Jahrhunderts befand er sich in stark verfallenem Zustand und wurde vom Antiquitätenhändler und Restaurator Elia Volpi (1858–1938) erworben und restauriert. Volpi war bekannt für die Schaffung der Sammlung des Palazzo Davanzati in Florenz. Im Jahr 1912 schenkte er den Palast der Stadt Città di Castello, um dort die Städtische Pinakothek unterzubringen.

Eine Fassade, die verzaubert

Das erste, was ins Auge fällt, ist die Sgraffitofassade. Sie wurde von Cristofano Gherardi, genannt Il Doceno, nach Entwürfen von Giorgio Vasari geschaffen und zeigt geometrische Dekorationen sowie Friesdarstellungen, die die Schönheit der Renaissance feiern. Besonders hervorzuheben sind die Wappen der beiden Familien: ein Kalb und ein aufgerichteter Löwe.

Es handelt sich um eines der am besten erhaltenen Beispiele dieser Art in Italien. Die Verzierungen wirken wie Stickereien auf Stein und verleihen den in verschiedenen Epochen entstandenen Gebäudeteilen eine harmonische Einheit.Der Palast blickt auf einen prachtvollen italienischen Garten, der einst für seine seltenen und exotischen Pflanzen berühmt war und dem gesamten Komplex den Beinamen „Palast des Gartens“ einbrachte.

Zwischen Liebe und Krieg: Die Innenausstattung

Das Innere des Palastes ist mit Fresken von Cristofano Gherardi und Cola dell’Amatrice geschmückt. Bereits das monumentale Treppenhaus zeigt Darstellungen der Musen, Geschichten von Apoll aus Ovids Metamorphosen sowie weitere Szenen zum Thema Liebe.

Darunter befindet sich die humorvolle Allegorie der Frau, die den verliebten Mann beherrscht. Einige sehen darin Paola Rossi, andere die Geliebte Alessandro Vitellis, Rosa.

Die Räume sind mit mythologischen und allegorischen Darstellungen sowie zahlreichen Abbildungen von Haustieren geschmückt, die den privaten Charakter der Residenz betonen. Im großen Repräsentationssaal sind die Taten Hannibals, Scipios, Caesars und Alexanders des Großen dargestellt, die Alessandro Vitelli zur Feier seiner militärischen Fähigkeiten in Auftrag gab.

Liebe und Krieg bilden somit die beiden Leitmotive des Dekorationsprogramms und erinnern sowohl an die eheliche Bestimmung des Palastes als auch an die militärischen Erfolge der Familie Vitelli.

Heute beherbergt der Palast die Städtische Pinakothek von Città di Castello. Zu ihren Schätzen zählt ein großes Altarbild vom Beginn des 14. Jahrhunderts mit der Darstellung der Madonna mit Kind und Engeln, geschaffen vom Meister von Città di Castello, einem sienesischen Maler aus dem Umkreis Duccio di Buoninsegnas.

Zu den bedeutendsten Werken gehört außerdem das Banner der Heiligen Dreifaltigkeit (um 1499), das einzige in Umbrien erhaltene Werk Raffaels, abgesehen von dem unvollendeten Fresko in der Kapelle San Severo in Perugia.

Werke von Luca Signorelli, Domenico Ghirlandaio, Antonio Vivarini, Justus von Gent, Raffaellino del Colle und Pomarancio machen die Sammlung zu einer der bedeutendsten Umbriens. Hervorzuheben sind außerdem die Holzschnitzereien und historischen Möbelstücke, die überwiegend aus örtlichen Kirchen und Klöstern stammen.

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