Stadt

Panicale


GESCHICHTE
Das von den Etruskern besiedelte Gebiet war ein sicherer Zufluchtsort für die römischen Soldaten, die der von Hannibals Karthagern gewonnenen Schlacht des Trasimeno entronnen waren. Nach dem Untergang des Römischen Reichs und dem Ende der langobardischen Herrschaft wurde Panicale im Jahr 1037 eine der ersten italienischen Kommunen, die sich frei und unabhängig von jeglicher Fremdherrschaft erklärte. Im 13. Jh. akzeptierte das Dorf die Signoria von Perugia, wurde aber 1316 wieder freie Kommune mit einer eigenen autonomen Regierung. Die Burg von Panicale galt als eine der wichtigsten und am besten befestigten Burgen Italiens und konnte allen Eroberungsversuchen widerstehen, bis sie 1643 während des Kriegs zwischen dem Kirchenstaat und dem Herzogtum Parma von den Florentiner Armeetruppen erobert wurde. Panicale unterstand dann bis zur Gründung des Königreichs Italien der Regierungsgewalt der Kirche.
KUNST, KULTUR, NATUR
Der historische Dorfkern hat seine typische mittelalterliche Struktur erhalten. Zwischen den zwei Zugangstoren Porta Fiorentina und Porta Perugina befinden sich drei unterschiedlich hoch gelegene Plätze: Auf dem unteren ersten Platz findet man den Palazzo del Popolo und den Brunnen, auf dem zweiten ist die imposante Kollegialkirche S. Michele Ausdruck der kirchlichen Macht und auf dem am höchsten gelegenen dritten Platz ist der Palazzo del Podestà das Zentrum der politischen Macht. Zu den künstlerisch wertvollsten Monumenten gehören der Palazzo del Popolo und der schöne, im 15. Jh. nach dem Vorbild der Fontana Maggiore in Perugia gebaute Brunnen, die Kollegialkirche S. Michele Arcangelo, ein wunderschönes Beispiel des umbrischen Barockstils mit einem Masolino zugeschriebenen Fresko, der Palazzo del Podestà des 14. Jh. mit zweifach spitzbogigen Fenstern und einem Glockenturm, der auch vom Tal aus zu erkennen ist, das ganz aus Holz realisierte und mit vergoldeten Stuckarbeiten und gemalten Girlanden dekorierte Theater Cesare Caporali, eines der kleinsten Theater Umbriens, sowie die Kirche S. Agostino mit Spuren antiker Fresken (16. und 17. Jh.) und einem wunderschönen Altar aus Pietra Serena-Sandstein, realisiert von Giovanbattista di Cristoforo zu Cortona. Ganz in der Nähe befindet sich die Kirche Madonna della Sbarra, die 1625 außerhalb der Burgmauern an der Stelle errichtet wurde, an der früher die Zollburg stand (daher der Name „sbarra" – dt. Schranke). Eindrucksvoll sind auch der im 17. Jh. von den Jesuiten errichtete Komplex S. Sebastiano inmitten eines schönen Parks und die dicht daneben stehende Kirche S. Sebastiano, die zwei herrliche Fresken beherbergt: Das „Martyrium des hl. Sebastian" von Perugino (1505) und die „Thronende Madonna", die dem Perugino-Schüler Spagna zugeschrieben wird. Sehenswert sind in der Umgebung die Renaissance-Wallfahrtskirche Madonna di Mongiovino mit Werken der bedeutendsten Steinmetze und Schnitzer jener Zeit (Lorenzo da Carrara, Giovanni Lombardo, Domenico Fiorentino) und die Wallfahrtskirche Madonna di Grondici, die wunderschön inmitten von Wäldern mit Eichen, Olivenbäumen, Zypressen und Pinien liegt und wegen eines 1494 von Gregorio Gregari gemalten Wunderbildes Ziel von Pilgerfahrten ist.