Gualdo Tadino

Die Keramik aus Gualdo Tadino

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Schon seit weit zurückliegenden Zeiten hat der Überschuss an Rohmaterialien zur Herstellung von Keramik die Stadt Gualdo Tadino zu einem wichtigen Kunstzentrum gemacht
Die Wälder des Apennins lieferten Holz für die zahlreichen Brennereien, die vielen Bäche betrieben die Mühlen, die die Emaille zermahlten und aus der Grube von Monte Fringuello wurde Eisenoxid - die Basis für goldene/rubinrote Farbtöne - gewonnen, während die Grube der Matalotta Ton von exzellenter Qualität lieferte. Die ersten schriftlichen Zeugnisse für die Keramikherstellung datieren auf das 14. Jh.: die Formen und Dekorationen der Handwerksarbeiten erinnern an bereits in Gubbio, Orvieto und Deruta existierende Gegenstände.
In der zweiten Hälfte des 15. Jh. bestätigte sich der Erfolg der qualitativ hochwertigen Majolika aus Gualdo: in einem Dokument der Regenten von Gubbio aus dem Jahr 1456 wird der Verkauf von wertvollen Vasen und Töpfen auf den Märkten der Stadt genehmigt. Vermutlich zwischen dem 16. und 17. Jh. beginnt die Herstellung von Keramik, die mit der Lüstertechnik verfeinert wird, also mit dem Auftragen der wundervollen Farbnuancen Gold und Rubinrot auf den bereits fertigen Gegenstand, die durch einen dritten Brennvorgang mit Ginsterrauch erzeugt werden. 
Während des 17. Jh. waren die Keramikhersteller aus Gualdo auch außerhalb der Heimat tätig, wie Antonio und Lorenzo Pignani, die in Rom aktiv waren. Ihnen gewährte Clemens X. 1673 das Monopol, mit einer noch nie zuvor angewandten Technik Gold auf die Majoliken aufzutragen.  Der Wendepunkt kommt jedoch erst Mitte des 19. Jh. mit der Wiederaufnahme der Technik der metallischen  Lüsterfarben Gold und Rubinrot durch Paolo Rubboli (1838-1890): eine Herstellung von künstlerischen Majoliken von höchster Qualität, die sich positiv auf die Zukunft der Stadt auswirkte. Noch heute bestehen die traditionellen Dekorationsmuster der Werkstätten von Gualdo Tadino, vorwiegend groteske Ornamente, Laub, Schuppen, „Viertel" sowie andere Motive, normalerweise auf blauem Hintergrund und angelehnt an klassische Szenen oder Gegenstände. Sie werden dann in den traditionellen Brennöfen, „Muffole" genannt, wie in „I tre libri del vasaio" von Cipriano Piccolpasso beschrieben, gebrannt und mit der Lüstertechnik mit Gold und Rubinrot verfeinert.