Deruta

Die Keramik aus Deruta

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Die glückliche geografische Lage von Deruta in der Nähe wichtiger Verbindungswege zu Land und zu See und das Vorkommen von Ton in den umliegenden Hügeln hat die Entwicklung von Keramikherstellern und die Erweiterung ihres Handels begünstigt. 

Die bereits im römischen Zeitalter bekannte Keramik aus Deruta war lange Zeit die einzige Einnahmequelle der Stadt.
In einem öffentlichen Aufruf aus dem Jahr 1227 wird eine Herstellung „ad modum mattorum Dirupta" verlangt. Seit 1336 sind hingegen Vereinigungen für die gemeinschaftliche Herstellung von Gebrauchsgegenständen bekannt, die in den Farben Kupfergrün und Braun auf weißem glasiertem Untergrund entstehen, die „Archaische Majolika": eine Keramik mit glasigem Überzug mit Dekoren in Grün/Kupfer oder Manganbraun, an der Töpferscheibe in einem einzigen Arbeitsgang hergestellt. Die Dekore hatten vorwiegend geometrische und floreale Muster. Vom 15. Jh. an weichen die starren Formen und Stile einer Serie von ikonografischen Variationen, mit der Errungenschaft der Farben Orange, Gelb und Blau: man geht von den reinen Gebrauchsgegenständen über zu dekorativen Elementen, wie zum Beispiel den Prunktellern.
Neue Ornamente werden durch ein bestimmtes formales Schema kodifiziert: ein zentrales Medaillon und eine Reihe von konzentrischen Parallelstreifen, die es umrunden. Ab der zweiten Hälfte des 15. Jh. bestimmen zwei Phänomene das Schicksal der Stadt Deruta: die stetige Einwanderung von Keramikherstellern nach der Pest 1456 und die enge Beziehung zu den wichtigsten umbrischen Malern. Das Angebot von Deruta richtet sich nunmehr an reiche und berühmte Abnehmer: neben den raffinierten und anspruchsvollen Lüsterkeramiken war auch die Kunst der glasierten Terrakotta im Aufschwung. In den gleichen Brennereien ging die die Produktion von Backsteinen, Terrakotta und bemalten Vasen Hand in Hand: neue Produkte gesellten sich zu den ursprünglichen und belebten so die künstlerische und geschäftliche Seite der Keramikherstellung. Im 16. Jh. entstand der Stil „Compendiario": schnell und oberflächlich in der Gestaltung der Abbildungen, jedoch durch komplexe Formen von Eierstab-Ornamenten, plastischen Reliefs und wellenförmigen Kanten gekennzeichnet. Im „kalligrafischen" Stil hingegen sind die monochromen Dekorationen in Blau oder Orange gehalten, die aus einer dichten Verflechtung von Blattwerk mit Landschaftsmalereien, Jagdszenen und Abbildungen von Tieren bestehen