Perugia

Ipogeo di Villa Sperandio

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Die etruskische Nekropolis des Sperandio erreicht man leicht vom Augustusbogen ausgehend, entlang des Corso Garibaldi und der Via dello Sperandio bis zum Grundstück der Villa dello Sperandio, um die herum die Reste der Nekropolis verstreut liegen. 

Sie erstreckte sich daher im Norden von Perugia, in dem unmittelbar außerhalb der Stadtmauern gelegenen Bereich, der mindesten ab dem 6. Jh. v. Chr. von anderen städtischen Nekropolen eingenommen wurde. Auf diesen Zeitraum geht der bekannte Sarkophag des Sperandio zurück, der 1843 wahrscheinlich in einem Kammergrab gefunden wurde, das die sterblichen Reste eines Kriegers enthielt, dessen Grabbeigaben Waffen aus Eisen beinhalteten. Der Sarkophag fällt unter die Reliefklasse aus sogenanntem „Stinkestein" (pietra fetida, einem Kalkstein aus Chiusi). Er weist auf den kurzen Seiten Bankettszenen auf, während auf der Vorderseite eine außergewöhnliche Szene abgebildet ist, die unterschiedlich interpretiert wird: Man geht vom Ver Sacrum („Auswanderung" eines Teils der Gesellschaftsgruppe) über ein Trauergeleit zu einer Szene dionysischer Kennzeichnung. Vom Material und den stilistischen Kennzeichen wurde der Sarkophag in Chiusi gefertigt, eine Stadt, mit der Perugia bereits seit der archaischen Zeit kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen pflegt; jedoch wendet sich der adlige Auftraggeber des Sarkophags an die Künstler von Chiusi mit ziemlich genauen und gegenüber deren gewöhnlichen Produktion, die meist Grabsteine und Aschenurnen umfassen, untypischen Forderungen, da das Individuum beschließt, bestattet zu werden. Der Sarkophag ist heute im Museo Nazionale Archeologico von Perugia ausgestellt.

In der unmittelbar anschließenden Phase, die zwischen Mitte des 5. und der ersten Hälfte des 4. Jh. v. Chr. anzusiedeln ist, das heisst, als die in den näher an den städtischen Kontext gebundenen Bereichen konzentrierten Funde zunehmen, bringt die Nekropolis des Sperandio (Ausgrabungen von 1857-1858) einen der Gruppe von Polignotos zugeschriebenen Stamnos, der in einer in der Wand einer Grabkammer eingelassenen Nische stand und vielleicht als Urne verwendet wurde, und die berühmte spitze Amphore des Malers von Perugia, die neben dem Kopf des Bestatteten lag, ans Tageslicht. Während der Ausgrabungen zwischen 1900 und 1903 wird der einzige vollständige Grabbeilagenkontext entdeckt, der ein unangetastetes Begräbnis auf dem Boden einer in den Fels gehauenen Grabkammer zurückerstattet, mit einer Tür aus Sandstein, die mit zwei Bronzebeschlägen, die noch heute wundersam erhalten sind, verziert war. Es handelt sich um eine Einzelbestattung in einem etwa 2 m langem Sandsteinsarg, der die Überreste eines Verstorbenen weiblichen Geschlechts enthielt, der aufgrund der reichen Grabbeilagen, die sowohl im Inneren als außerhalb des Sargs verteilt waren, erkannt werden konnte. In unmittelbarem Kontakt mit dem Gerippe wurden einige wertvolle Goldschmuckgegenstände (ein Diadem, Ohrringe) gefunden, während um den Sarg herum der größte Teil der Grabbeilagen ausgelegt war, bestehend aus Geschirr und Gegenständen aus Bronze. Andere in der Nekropole entdeckte und auf diesen Zeitraum (zwischen Ende des 4. und dem 3. Jh. v. Chr.) zurückgehende Grabkontexte weisen besondere Merkmale auf: Der in einem Sarg bestattete Verstorbene wird in einigen Fällen in der Mitte oder am Ende der Grabkammer platziert und um ihn herum erfolgen die späteren Bestattungen in Urnen, die einer späteren Zeit zuzuschreiben sind. Die Nekropole des Sperandio bietet daher einen reichhaltigen Überblick über die während der langen Zeit, in der sie benutzt wurde und die zwischen dem 6. und dem 3. Jh. v. Chr. einzuordnen ist, verwendeten Bestattungstypologien.