Teller mit Tagliatelle und Trüffelspänen, mit im Hintergrund auf dem Tisch ruhenden Händen, bereit zum Essen.
Die italienische Küche, ein UNESCO-Erbe, das man am Tisch erleben kann
Wenn die Küche Umbriens zu Identität, Beziehung und Erinnerung wird.

Ende 2025 wurde die italienische Küche von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Eine Auszeichnung, die nicht ein einzelnes Gericht oder Rezept feiert, sondern ein echtes kulturelles Modell: die italienische Art, Essen als Ausdruck von Identität, Beziehung und Teilen zu leben. Ein Erbe aus Geselligkeit, Erinnerung und Weitergabe von Wissen, in dem Essen zur gemeinsamen Sprache, zur Fürsorge und zum Band zwischen den Menschen wird.

In dieser gemeinsamen Erzählung, in der jede Region dazu beiträgt, die italienische Küche einzigartig und wiedererkennbar zu machen, nimmt Umbrien einen besonderen Platz ein: ein Land der Produkte und Rezepte, die mit landwirtschaftlichen Zyklen, religiösen Festen und gemeinschaftlichen Momenten verbunden sind, in dem Essen nicht nur konsumiert, sondern erlebt wird.

Der Wert einiger umbrischer Gerichte liegt – über die Zutaten hinaus, die hochwertige regionale Produkte hervorheben – oft in den Geschichten über ihre Herkunft und Zubereitung. Sie zu kosten bedeutet, in eine Erzählung aus Traditionen, Wissen und Gesten einzutreten, die über die Zeit weitergegeben wurden: ein Erlebnis, das das von der UNESCO anerkannte immaterielle Kulturerbe vollkommen verkörpert.

Drei bemehlte Laibe handwerklich hergestellten „Sciapo“-Brots auf einem ecru- und rot gestreiften Tuch vor einer Steinmauer.
#1
„Sciapo“-Brot

Ohne Salz, wie in der Toskana: eine Wahl aus historischer Notwendigkeit, die mit dem Salzkrieg verbunden ist und ein Brot hervorgebracht hat, das perfekt ist, um Würzungen wie neues Olivenöl und Beilagen, insbesondere norcineria (Wurstwaren), hervorzuheben.

Umbrische Torta al testo, auf einem testo vor einem brennenden Holzofen gebacken, mit gegrilltem Gemüse in einer Schale.
#2
Torta al testo

Der Name stammt vom lateinischen „testum“, das sowohl einen Ziegel oder eine Dachpfanne als auch das Terrakottagefäß bezeichnet, das von den Römern mit glühender Asche gefüllt zum Garen von Speisen – insbesondere von Brot oder fladenähnlichen Zubereitungen – verwendet wurde. Heute ist sie „weder Brot noch Focaccia“: ein einfacher, oft ungesäuerter Teig, der auf Stein oder Gusseisen gebacken wird. Als Arme-Leute-Essen entstanden, ist sie heute eines der bekanntesten Gerichte im Raum Perugia und steht für das gesellige Gericht schlechthin, das man füllt und in der Mitte des Tisches teilt.

Kastanienigel und trockenes Laub auf der Wiese unter einem großen Baum, mit Wald im Hintergrund.
#3
Der Brotbaum

Bevor sich der Weizen großflächig verbreitete, war die Kastanie in den umbrischen Berggebieten eine grundlegende Ressource: getrocknet und gemahlen wurde sie zu einer nahrhaften Mehlbasis für Brote und Polenta.

Linsensuppe mit Karotten und Kartoffeln, Rosmarin und einer Scheibe geröstetem Brot auf einem dekorierten Teller, Draufsicht.
#4
Suppen, Gerichte der Gemeinschaft

In Umbrien sind Hülsenfruchtsuppen wie die fagiolina del Trasimeno oder die Roveja und Getreidesuppen, insbesondere mit Dinkel, niemals Einzelgerichte: Sie sind zum Teilen gedacht. Oft in großen Mengen zubereitet, wurden sie gemeinsam gegessen und stärkten so den Wert der Geselligkeit, der im Mittelpunkt der UNESCO-Anerkennung steht.

Hände rollen einen Nudelteig mit einem Nudelholz auf einem bemehlten Holztisch aus.
#5
Die „a culo mosso“-Teigplatte

Dieser kuriose und sympathische volkstümliche Ausdruck bezeichnet die kontinuierliche und präzise Bewegung, die nötig ist, damit ein von Hand gezogener Teig perfekt ausgerollt wird.

Haufen handgemachter Strangozzi-Nudeln auf einem Holzbrett, bereit zum Kochen.
#6
Hausgemachte Pasta

Aus einem einfachen Teig aus Mehl und Wasser entstehen einige typische umbrische Pastaformen, von denen manche so alt sind, dass ihre Ursprünge den Etruskern zugeschrieben werden. Name und Verarbeitung variieren je nach Gegend: von den umbricelli aus Perugia über die ciriole aus Terni bis zu den strangozzi aus Spoleto, auch strozzapreti genannt – ein volkstümlicher Name, der mit der Geschichte der Zeit des Kirchenstaates verbunden ist.

Hände mischen Mehl und Eier auf einem Holztisch zur Zubereitung frischer hausgemachter Pasta.
#7
Hände als Maßeinheit

„Quanto basta“ (nach Bedarf), „a occhio“ (nach Augenmaß), „finché regge“ (bis der Teig zusammenhält). In vielen umbrischen Rezepten gibt es keine genauen Mengenangaben: Das Wissen wird durch Erfahrung weitergegeben, nicht durch die Waage.

Hand pflückt Wildkräuter auf einer Brachfläche und legt sie in einen Weidenkorb.
#8
Wildkräuter

Das Erkennen, Sammeln und Kochen von Wildkräutern ist ein seit Jahrhunderten mündlich überliefertes Wissen, das in einigen traditionellen Rezepten weiterlebt, wie in der fojata, deren Füllung aus beliebigen Feldkräutern bestehen kann, traditionell jedoch auf Strigoli basiert.