Blick auf Città di Castello zwischen Feldern und Hügeln, mit Kirche und Türmen unter blauem Himmel.

Città di Castello

Wo die Renaissance auf zeitgenössische Kunst trifft

Wenn Sie glauben, Umbrien bestehe nur aus mittelalterlichen Dörfern auf Hügelkuppen und stillen Hügellandschaften, dann lassen Sie sich eines Besseren belehren. Im malerischen Oberen Tibertal gelegen, ist Città di Castello eine echte Entdeckung. Die elegante und überraschende Stadt birgt ein Geheimnis: ein vollkommenes Gleichgewicht zwischen der Pracht der Renaissance und der revolutionären Kraft der zeitgenössischen Kunst – in einer Umgebung, in der der Respekt vor der Natur mit einer lebendigen Industrielandschaft einhergeht.

Als Grenzstadt, nur wenige Kilometer von der Toskana und nicht weit von den Marken und der Romagna entfernt, vereint Città di Castello die charakteristischen Landschafts- und Architekturmerkmale dieser Regionen.

Die „Stadt des Glücks“

Città di Castello wurde von den Umbrern am linken Ufer des Tibers gegründet und verbündete sich im 3. Jahrhundert v. Chr. mit Rom. Im 1. Jahrhundert v. Chr. erhielt die Stadt unter dem Namen Tifernum Tiberinum den Status eines römischen Municipiums.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde Gaius Plinius Caecilius Secundus, besser bekannt als Plinius der Jüngere, ihr patronus municipii. Das Patronat war eine römische Institution, bei der sich eine Stadt unter den Schutz einer einflussreichen Persönlichkeit stellte.

Die gens Plinia besaß nachweislich eine Villa in der Gegend, die Plinius der Jüngere in seinen Briefen mehrfach erwähnte. Ihre Überreste wurden in Colle Plinio, in der Gemeinde San Giustino, identifiziert. Wie aus einem seiner Briefe hervorgeht, ließ Plinius außerdem im Jahr 103 oder 104 n. Chr. einen Tempel errichten, dessen Standort bis heute unbekannt ist.

Der Überlieferung zufolge wurde die römische Stadt vom heiligen Crescentinus, auch Crescenziano genannt, christianisiert, der zwischen dem 3. und 4. Jahrhundert in Tifernum den Märtyrertod erlitt. Im 6. Jahrhundert wurde die Stadt von den Goten unter Totila geplündert und zerstört. Anschließend ließ Bischof Florido sie wiederaufbauen. Er wurde später heiliggesprochen und zum Schutzpatron der Stadt ernannt.

Schließlich wurde die Stadt von den Langobarden erobert, die ihr den Namen Castrum Felicitatis gaben und sie dem Herzogtum Tuszien angliederten. Nach mehreren Herrschaftswechseln organisierte sie sich im 12. Jahrhundert als freie Kommune und nahm ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts den Namen Civitas Castelli an.

Obwohl die Stadt im Mittelpunkt der Machtkämpfe zwischen dem Kaiserreich, dem Kirchenstaat, Florenz und Perugia stand, erlebte sie im 13. Jahrhundert eine gewisse Blütezeit, die sich in den öffentlichen Bauwerken dieser Epoche widerspiegelt.

Im Jahr 1367 verlor die Stadt ihre Autonomie und wurde von Kardinal Albornoz dem Kirchenstaat angegliedert. 1422 übertrug Papst Martin V. die Herrschaft über die Stadt dem Condottiere Braccio Fortebraccio da Montone, dessen Familie rund zwanzig Jahre lang an der Macht blieb.

In der Folge wurde Castrum Castelli zum Streitobjekt der bedeutendsten Familien der Stadt, die zunächst eine oligarchische Regierung bildeten. Aufgrund zahlreicher interner Machtkämpfe und Fehden setzte sich schließlich eine dieser Familien durch: die Vitelli.

Diese Familie übte einen erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche und künstlerische Entwicklung der Stadt aus. Als Mäzene und Heerführer bereicherten die Vitelli Città di Castello mit zahlreichen Palästen, für deren Gestaltung sie bedeutende Künstler der Renaissance engagierten.

Im Jahr 1502 ernannte sich Cesare Borgia, genannt il Valentino, selbst zum Herzog der Stadt und unterwarf sie endgültig dem Kirchenstaat. Unter dessen Herrschaft blieb Città di Castello, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, bis zur Einigung Italiens im Jahr 1861.

Während des Zweiten Weltkriegs setzte sich Don Beniamino Schivo, Rektor des städtischen Priesterseminars, unermüdlich für die Aufnahme von Flüchtlingen und Verfolgten ein, darunter auch eine jüdische Familie. Für dieses Engagement wurde er als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet.

Zu den Menschen, die während der Deportationen bei Don Schivo Zuflucht fanden, gehörte auch Elio Toaff, der spätere Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde von Rom. Im Jahr 1999 wurde er zum Ehrenbürger von Città di Castello ernannt.

Eine Zeitreise durch die Paläste und Kunstwerke der Renaissance

Die mächtigen Stadtmauern aus dem 16. Jahrhundert, die größtenteils erhalten geblieben sind, umschließen eine historische Altstadt, die sich ihren spätmittelalterlichen und renaissancetypischen Charakter bis heute bewahrt hat.

Die Stadt erstreckt sich rund um zwei Hauptplätze, die von den Einwohnern schlicht als „piazza di sopra“ (oberer Platz) und „piazza di sotto“ (unterer Platz) bezeichnet werden.

Die „piazza di sopra“, die heutige Piazza Matteotti, ist das pulsierende Herz der Stadt und seit jeher Sitz der weltlichen Macht. Hier befindet sich der Palazzo del Podestà, ein Werk von Angelo da Orvieto aus dem Jahr 1368.

Die zum Corso Cavour gewandte Seitenfassade des Palastes ist ein Überrest des mittelalterlichen Bauwerks. Sie ist mit neun Spitzbogenarkaden geschmückt, die durch Friese und Wappen verziert sind. Ein größerer Bogen kennzeichnet den Haupteingang des Palastes und führt zu einer eleganten Loggia aus dem 17. Jahrhundert, die sich zur dahinterliegenden Piazza Fanti öffnet.

Über jeder Tür befindet sich ein kleines Rundbogenfenster, während das Hauptgeschoss mit wunderschönen zweibogigen Fenstern ausgestattet ist.

Die interessante neoklassizistische Fassade mit ihrem kleinen zentralen Glockenturm, die zum Platz hin ausgerichtet ist, stammt dagegen aus einer späteren Zeit: Sie wurde 1687 vom Architekten Nicola Barbioni fertiggestellt. Sie ist mit zwei Uhren geschmückt, von denen eine die Stunden und die andere die Minuten anzeigt, sowie mit einer Windrose.

An den Platz grenzen außerdem die eleganten Paläste Bondi-Mancini und Cappelletti sowie eine der zahlreichen Residenzen der Familie Vitelli in der Stadt: der Palazzo Vitelli in Piazza, der sich durch seine strengeren architektonischen Formen von den anderen Bauwerken der Familie unterscheidet.

Nicht weit von der Piazza Matteotti entfernt, am Corso Cavour, können Sie ein wahres Meisterwerk der grafischen Künste entdecken, die in diesem Teil Umbriens eine lange Tradition haben: die Tipografia Grifani Donati. Die seit 1799 bestehende Druckerei beherbergt seit 2005 das Museum der grafischen Künste.

Die „piazza di sotto“, einst Zentrum der religiösen und politischen Macht, ist nach Venanzio Gabriotti (Città di Castello, 1883–1944) benannt. Er wurde mit der Goldmedaille für militärische Tapferkeit ausgezeichnet und war während der Resistenza eine wichtige Bezugsperson für die Antifaschisten des Oberen Tibertals.

An diesem Platz befinden sich die Kathedrale der Heiligen Florido und Amanzio mit ihrem ungewöhnlichen zylindrischen Glockenturm im ravennatischen Stil sowie der Palazzo del Comune, ein Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert von Angelo da Orvieto, das sich durch seinen rechteckigen Grundriss und seine Fassade aus rustizierten Steinquadern mit einer Reihe wunderschöner zweibogiger Fenster auszeichnet.

Ebenfalls sehenswert sind der Torre Civica, der Stadtturm aus dem 13. Jahrhundert, von dem aus sich ein herrlicher Blick über die Stadt bietet und an dem noch Spuren eines Freskos zu erkennen sind, das die Stadtverwaltung 1474 bei Luca Signorelli in Auftrag gab, sowie der Palazzo Arcivescovile, der erzbischöfliche Palast, der mehrfach umgebaut wurde und sein heutiges Erscheinungsbild im 18. Jahrhundert erhielt.

Ein absolutes Muss in der Altstadt ist die Städtische Pinakothek, die im prachtvollen Palazzo Vitelli alla Cannoniera untergebracht ist. Nicht ohne Grund wird sie als die „Uffizien Umbriens“ bezeichnet. Die kürzlich um neue Ausstellungsräume erweiterte Sammlung beherbergt Meisterwerke von Raffael, Luca Signorelli, Ghirlandaio, Raffaellino del Colle und Pomarancio.

Wir empfehlen Ihnen jedoch auch, sich einfach von der bezaubernden Atmosphäre der Altstadt treiben zu lassen. Entdecken Sie die eleganten Renaissancebauten, die Innenhöfe und Loggien der Adelspaläste sowie die Kreuzgänge und Kirchenschiffe der zahlreichen Gotteshäuser, darunter Santa Maria Maggiore, Santa Maria delle Grazie, San Francesco und San Domenico.

Nehmen Sie sich schließlich Zeit für einen Bummel durch die traditionellen Handwerksbetriebe. Città di Castello pflegt bis heute eine bedeutende Tradition des Kunstdrucks und der handwerklichen Weberei, bei der die Leidenschaft von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Besonders sehenswert ist die Textilsammlung im zweiten Stock des Palazzo Tommasini, die die faszinierende Geschichte des Unternehmens „Tela Umbra“ dokumentiert.

Für jüngere Besucher, aber nicht nur für sie, bietet das Malakos-Muschelmuseum eine der größten Muschelsammlungen Europas sowie spezielle Workshops und Aktivitäten.

Das unerwartete Zentrum der zeitgenössischen Kunst: der Burri-Effekt

Città di Castello lässt die Herzen von Liebhabern moderner Kunst höherschlagen. Die Stadt ist nämlich der Geburtsort von Alberto Burri, einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts.

Die ihm gewidmete Stiftung bietet ein monumentales Kunsterlebnis an zwei außergewöhnlichen Standorten: im Palazzo Albizzini und in den Ex Seccatoi del Tabacco.

Der Palazzo Albizzini ist ein elegantes Renaissancegebäude, dessen Räume einen faszinierenden Kontrast zu den berühmten Werkserien Catrami, Muffe e Sacchi des Künstlers bilden.

Die ehemaligen Tabaktrocknungshallen sind, wie ihr Name bereits verrät, ein riesiger Industriekomplex, dessen Außenflächen vollständig schwarz gestrichen sind. Hier werden Burris monumentale Bildzyklen ausgestellt, deren Präsentation und Anordnung der Künstler persönlich entworfen hat.

Ein außergewöhnlicher Ort, der den großen Museen von New York oder London in nichts nachsteht.

Aber das ist noch längst nicht alles …

Auch die Umgebung von Città di Castello ist reich an Kunst, Geschichte und Natur.

Einen Besuch wert sind das Oratorium San Crescentino in Morra, in dessen Innerem einige Fresken von Luca Signorelli und seiner Werkstatt zu bewundern sind, sowie die Pfarrkirche von Canoscio, einer der bedeutendsten Orte der Marienverehrung in Umbrien.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Wallfahrtskirche Madonna di Belvedere, die Abtei Badia Petroia, ein bemerkenswertes Beispiel romanischer Architektur aus dem 11. und 12. Jahrhundert, sowie die Villa Franchetti „La Montesca“, die von einem jahrhundertealten Park mit äußerst seltenen Pflanzenarten umgeben ist.

In Garavelle, in einem Bauernhaus gegenüber der Villa Cappelletti, befindet sich das Zentrum für Volksüberlieferungen „Livio Dalla Ragione“, eine der ersten Einrichtungen Italiens, die sich der Sammlung und Bewahrung von Gegenständen aus der bäuerlichen Tradition widmet.

Nicht nur Kunst: die kulinarischen Genüsse des Oberen Tibertals

Eine Reise nach Città di Castello ist auch ein Erlebnis für den Gaumen. Hier trifft die traditionelle umbrische Küche auf toskanische Einflüsse – eine unwiderstehliche Kombination.

Probieren Sie unbedingt den ausgezeichneten weißen Trüffel: Er ist der unbestrittene König der lokalen Küche und wird jedes Jahr im Herbst mit einer landesweit bedeutenden Trüffelmesse gefeiert.

Verlassen Sie die Stadt nicht, ohne die Baggiana probiert zu haben, ein Gericht aus Saubohnen, Tomaten und Basilikum, das mit Tigella, einem kleinen Fladenbrot, serviert wird. Ebenso empfehlenswert ist die traditionelle Ciaccia sul Panaro, ein köstliches Fladenbrot, das mit regionalen Wurst- und Schinkenspezialitäten gefüllt wird.

Eine weitere typische Spezialität des Oberen Tibertals ist die Mazzafegato, eine dunkle Wurst, die hauptsächlich aus Schweineleber, weiteren Innereien wie Milz, Niere und Herz sowie kleinen Mengen hellen Fleisches hergestellt wird.

Vergessen Sie zum Abschluss Ihrer Mahlzeit nicht, mit einem Glas Vino Affumicato anzustoßen. Dieser Likörwein ist ein Slow-Food-Presidio und wird ausschließlich aus den Rebsorten Trebbiano, Malvasia und Grechetto hergestellt.

Città di Castello erwartet Sie und zeigt Ihnen, dass Schönheit zeitlos ist und sich dennoch immer wieder neu erfinden kann. Ob Sie auf der Suche nach spannenden Kunstausstellungen sind, gutes Essen lieben oder einfach neugierig auf neue Reiseziele sind – dieser besondere Winkel Umbriens wird Sie überraschen.

Die Stadt entdecken

Was man in Città di Castello besichtigen kann: Museen, Denkmäler und vieles mehr

 

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Übernachtungsmöglichkeiten in Città di Castello
Die Stadt erleben

Entdecken Sie die Routen und Erlebnisse in Città di Castello und Umgebung

 

Die besten Angebote, um Città di Castello zu erleben

Wenn Sie bei Città di Castello übernachten möchten, finden Sie hier einige Tipps, wie Sie einen Urlaub voller Emotionen organisieren können.

Bilder von/aus Città di Castello