Villa Magherini Graziani with an arched loggia, central tower and a large leafless tree beneath a blue sky.

Auf Entdeckungsreise zur Villa in Tuscis

Stellen Sie sich vor, Sie reisen fast zweitausend Jahre in der Zeit zurück und finden sich inmitten eines gewaltigen natürlichen Amphitheaters wieder, umgeben von sonnenverwöhnten Hügeln, üppigen Wäldern und Weinbergen, die sich bis zum Horizont erstrecken. Dies war die Landschaft, die Plinius den Jüngeren in seiner geliebten villa in Tuscis empfing – einem so außergewöhnlichen Landsitz, dass der römische Schriftsteller keine Gelegenheit ausließ, ihn in seinen berühmten Briefen zu preisen.

Heute erwacht dieser Traum des antiken Rom nur wenige Kilometer von Città di Castello entfernt, bei Colle Plinio in der Gemeinde San Giustino, für moderne Reisende zu neuem Leben – in einer perfekten Verbindung von Archäologie, Geschichte und Natur.

Eine Reise zwischen antiken Briefen und archäologischen Ausgrabungen

Plinius beschrieb seine Villa nicht einfach als einen Ort der Erholung, sondern als ein Kunstwerk, eingebettet in die Landschaft des Oberen Tibertals. Archäologische Ausgrabungen haben einen monumentalen Komplex von beeindruckenden Ausmaßen ans Licht gebracht und damit den Glanz bestätigt, von dem die Berichte aus jener Zeit erzählen.

Die Ausgrabungs- und Forschungsarbeiten legten die Überreste luxuriöser beheizter Räume frei, die zweifellos zu privaten Thermen gehörten, darunter ein apodyterium (Umkleideraum) und sogar ein sphaeristerium, ein großer Raum für Ballspiele und Körperpflege. Kostbare Marmorsorten aus Karystos und raffinierte Dekorationen zeugen vom außerordentlich hohen gesellschaftlichen Rang und vom ausgeprägten ästhetischen Geschmack des Hausherrn.

Die Villa war jedoch nicht nur dem otium – der Muße und Erholung – gewidmet, sondern zugleich ein fortschrittlich geführter landwirtschaftlicher Betrieb, der die Nähe zum Tiber nutzte, um landwirtschaftliche Erzeugnisse direkt nach Rom zu transportieren.

Villa Magherini Graziani: Wo Geschichte zum Museum wird

Um die Bedeutung dieses Ortes in vollem Umfang zu erfassen, ist ein Besuch der Villa Magherini Graziani ein Muss. Die prächtige Residenz aus der Spätrenaissance befindet sich in Celalba bei San Giustino. Das Anwesen ist von einer fünfeckigen Umfassungsmauer umgeben und erstreckt sich über eine Fläche von rund 60.000 Quadratmetern. Carlo Graziani ließ die Villa zu Beginn des 17. Jahrhunderts vom Architekten Antonio Cantagallina, einem Schüler Vasaris und Brunis, über einer mittelalterlichen Befestigungsanlage errichten.

Im Inneren befindet sich das Archäologische Museum der Villa des Plinius des Jüngeren, das die Ergebnisse der archäologischen und topografischen Forschungen präsentiert, die von 1986 bis 2003 von den Universitäten Perugia und Alicante in Spanien gemeinsam mit der Archäologischen Denkmalbehörde Umbriens am Standort der Villa des Plinius durchgeführt wurden.

Das archäologische Museum: eine Villa und ihre Umgebung

Das Museum hat vor Kurzem ein innovatives Projekt eröffnet, das die Besucher dazu einlädt, das ländliche Leben im antiken Rom, die damaligen Ernährungsgewohnheiten sowie die weit verzweigten Handelsnetze des Tals kennenzulernen.

Neben der Kasse und dem Museumsshop vermitteln die ersten Räume einen historischen Überblick über die Entstehung des Museums und die archäologischen Ausgrabungen. Die unterirdischen Räume – die ehemaligen Keller – bewahren die Verbindung zu ihrer ursprünglichen Funktion und widmen sich dem Herstellungszyklus des Weins.

Über die Treppe, die von Tafeln zur Geschichte und zum Stammbaum der Familie Graziani gesäumt wird, gelangen die Besucher zur Loggia, von der sich ein Blick auf den italienischen Garten und die umliegende Landschaft eröffnet. Hier kann an einer Audiostation der Brief des Plinius an Apollinaris angehört werden.

Von der Loggia führt der Rundgang weiter in den Statuensaal, der bewusst freigehalten wurde, um dort Veranstaltungen der Gemeinde ausrichten zu können.

Die archäologische Abteilung bildet das Herzstück der Ausstellung. Zu sehen sind ein großes Rekonstruktionsmodell der Villa in Tuscis, großformatige Fotografien sowie ein Foto des Ausgrabungsteams. Anschließend führt der Rundgang in chronologischer Reihenfolge durch die verschiedenen historischen Phasen des Ortes:

  1. die erste römische Phase (3.–1. Jahrhundert v. Chr.) mit Terrakotten, schwarz gefirnisster Keramik und Abfällen aus einem Brennofen;
  2. die Phase der Erweiterung und des Baus der Thermenanlage mit Mosaiken, Wandputz und Keramik aus Arezzo;
  3. die Zeit des Plinius – der am stärksten hervorgehobene Teil der Ausstellung – mit einem Rekonstruktionsmodell, Amphoren, Ziegelstempeln, Glasobjekten, Münzen und Tafelgeschirr;
  4. die späte und nachklassische Phase mit Grundrissen, Münzen und mittelalterlicher Keramik, die belegen, dass der Ort auch in der Spätantike und im Mittelalter weiterhin genutzt wurde.

Ein bezaubernder Ort

Neben dem Besuch des Museums und des archäologischen Parks sollten Sie die Gelegenheit nutzen, einen erholsamen Spaziergang auf den umliegenden Wegen zu unternehmen. Die Landschaft ist erstaunlich originalgetreu erhalten geblieben und erinnert noch heute an das, was Plinius als „eine Landschaft von außergewöhnlicher Schönheit, bei deren Anblick man den Eindruck hat, nicht auf eine wirkliche Gegend, sondern auf ein meisterhaft gemaltes Bild zu blicken“ beschrieb.

Ob Sie sich für römische Geschichte begeistern, eine Leidenschaft für Archäologie haben oder auf der Suche nach stimmungsvollen Reisezielen abseits der üblichen überfüllten Touristenrouten sind – die Villa des Plinius bietet Ihnen ein tiefgehendes, faszinierendes und unvergessliches Kulturerlebnis.

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