Schlichtheit und Pracht
Das Äußere der Kirche weist eine schlichte und geradlinige Architektur auf, die typisch für die franziskanische Tradition ist.
Die Fassade ist als Giebelfassade ausgeführt und das Ergebnis verschiedener Umbauten: Darauf weist beispielsweise die Spur einer zugemauerten zentralen Rosette oberhalb des Portals aus dem 16. Jahrhundert hin; dieses aus Stein gefertigte Portal stammt von Stefano Acquisti.
Der obere Bereich des Gebäudes ist ausschließlich von der Piazza del Teatro aus zugänglich: Das Gebäude bildet somit ein Bindeglied zwischen dem mittelalterlichen Ortskern und der später entstandenen Erweiterung der Renaissance.
Das Innere besitzt entsprechend der franziskanischen Tradition ein einschiffiges Langhaus, einen Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes und ein Kreuzgratgewölbe. Dank der großen rechteckigen Fenster, die sich entlang der Außenwände öffnen, wirkt der Raum weit und lichtdurchflutet. Es handelt sich um einen eindrucksvollen und faszinierenden Raum, der durch neun Seitenaltäre aus Stuck, Sandstein und Holz gegliedert wird. Diese sind bemalt und vergoldet und beherbergen Gemälde von höchstem historischem und künstlerischem Wert.
Die in der Kirche bewahrten Schätze
Im linken Teil des Querschiffs befindet sich die Kapelle des Allerheiligsten Kruzifixes aus dem 18. Jahrhundert mit einem prächtigen geschnitzten und vergoldeten Altaraufbau. In der Mitte steht ein altes Holzkruzifix aus dem 13. Jahrhundert, das als wundertätig gilt und daher von zahlreichen Votivgaben umgeben ist.
Der Überlieferung zufolge beschloss einer der Mönche des Klosters während eines besonders kalten Winters, das alte, auf dem Dachboden aufbewahrte Kreuz zu verbrennen. Als er jedoch gerade dabei war, es in Stücke zu zerlegen, öffnete das heilige Bild auf wundersame Weise die Augen.
Das Holzkruzifix ist in einen gemalten Hintergrund eingefügt. Zu beiden Seiten sind der heilige Johannes und die Jungfrau Maria dargestellt, während in den seitlichen Gewänden der heilige Franziskus und der büßende heilige Hieronymus zu erkennen sind. Die Werke stammen von Raffaellino Del Colle (1495–1566), einem Maler aus dem nahe gelegenen Sansepolcro und letzten Schüler Raffaels.
Die Kirche bewahrt ein weiteres Werk dieses bedeutenden Renaissance-Malers: das schöne Altarbild mit dem auferstandenen Christus in Herrlichkeit zwischen musizierenden Engeln sowie dem heiligen Franziskus und dem Erzengel Michael, der den Dämon niedertritt; in der Laibung befinden sich Engel mit dem Kreuz und dem Heiligen Grabtuch (Wand des rechten Querschiffs).
Links vom Kruzifixaltar befindet sich das schöne Tafelbild der Kreuzabnahme Christi, das 1570 von Nicolò Circignani, genannt Il Pomarancio (ca. 1530–1597), gemalt wurde.
Im Chorraum kann man den prächtigen, fein verzierten Hochaltar sowie das Nussbaumholz-Chorgestühl aus dem 16. Jahrhundert bewundern. Es umfasst 25 Sitze und ein majestätisches Lesepult und zeugt vom intensiven liturgischen und musikalischen Leben des Klosters in vergangenen Jahrhunderten. Darüber befindet sich ein Gemälde aus der Schule Peruginos, das die thronende Madonna mit dem Kind zwischen dem heiligen Sebastian, dem heiligen Petrus von Verona, dem Erzengel Gabriel und Tobias darstellt.
Das Langhaus bewahrt Spuren von Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert.
An der rechten Wand befindet sich eine Nische mit einem schönen Fresko der Jungfrau Maria mit dem Kind, des Erzengels Michaelund des heiligen Bernhardin von Siena aus der Schule Luca Signorellis. Nach einigen Hypothesen stammen die Engel des Gewölbes tatsächlich von der Hand des Malers aus Cortona, eines der bedeutendsten Vertreter der italienischen Renaissance (ca. 1441/1445–1523), während man in den Heiligen die Hand seines Schülers Tommaso Bernabei, genannt Il Papacello (1505–1559), erkennen wollte. Neben der bemalten Nische befindet sich ein Altar mit einem Gemälde des umbrischen Künstlers Simone Ciburri, der in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts tätig war und den heiligen Antonius von Padua darstellt. Besonders interessant ist, dass das Gemälde einen Blick auf Citerna im 16. Jahrhundert sowie eine zeitgenössische Ansicht von Padua zeigt, das damals von einem schiffbaren Kanal durchquert wurde.
Das absolute Juwel der Kirche ist jedoch die wunderschöne Statue der Madonna mit Kind, genannt Madonna di Citerna, die erst kürzlich einem der bedeutendsten Vertreter der Renaissance-Bildhauerkunst zugeschrieben wurde: Donato di Niccolò di Betto Bardi, allgemein bekannt als Donatello (1386–1466). Es handelt sich um eine polychrome Terrakottastatue, die dem florentinischen Meister nach einer sorgfältigen, acht Jahre dauernden Restaurierung durch das Opificio delle Pietre Dure zugeschrieben wurde.
Die Skulptur, die auf etwa 1415–1420 datiert wird, fasziniert durch die Ausdruckskraft der Gesichter, den Realismus der Gewänder und die zarte Vertrautheit zwischen der Jungfrau und ihrem Sohn. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um ein Andachtswerk, das vermutlich einer bedeutenden Familie gehörte. Aufgrund ihrer Größe eignete sich die Statue neben der häuslichen Andacht auch für den Transport bei besonderen Anlässen.
Die Kirche San Francesco heute zu besuchen bedeutet, eine Reise durch die Kunst Mittelitaliens zu unternehmen, wo franziskanische Spiritualität auf die Meisterschaft der bedeutendsten Vertreter der Renaissance trifft.