Karnevalswaffeln
Zu den einfachsten, aber zugleich geschichtsträchtigsten Süßspeisen der Karnevalszeit in Umbrien gehören die Cialde: hauchdünne, ungesäuerte Waffeln, leicht und aromatisch. Ihre Besonderheit liegt in ihrer uralten Herkunft, die sie noch heute zu einer der charakteristischsten Spezialitäten mancher umbrischer Städte macht.
Zwischen Sakralem und Profanem: die Ursprünge der Waffeln
Die Wurzeln der Cialde reichen weit zurück: Die ersten Formen, die den heutigen Waffeleisen ähneln, stammen bereits aus dem 6. Jahrhundert, als sich in der frühchristlichen Zeit der Brauch verbreitete, metallene Geräte mit Inschriften und sakralen Bildern herzustellen, um daraus die Brote für die Eucharistie zu backen.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich diese ersten Brote zu immer einfacheren Zubereitungen: ein elementarer Teig aus Wasser und Mehl, auf einem heißen Eisen gebacken, das religiöse Symbole einprägte – so entstand die Hostie.
Die ältesten heute erhaltenen Hostieneisen stammen aus dem Mittelalter und sind vor allem in Mittelitalien verbreitet, insbesondere im Gebiet des Kirchenstaates. Das älteste, aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, wird heute im MUVIT - Wein-Museum in Torgiano zusammen mit vielen weiteren Exemplaren aufbewahrt.
Vom sakralen Werkzeug zur Festtagsspezialität
Im Laufe der Jahrhunderte lösten sich diese Eisen allmählich aus dem rein religiösen Bereich und fanden Eingang in das private Leben. An die Stelle der heiligen Bilder traten die heraldischen Symbole großer Familien, und diese nun ihrer liturgischen Bedeutung beraubten Hostien wurden mit Zucker und Gewürzen verfeinert und zu Cialde – einer Süßigkeit für besondere Anlässe.
Zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert, vor allem im Raum Perugia, erlebten die Waffeleisen eine außergewöhnliche Blüte. Mit Techniken gefertigt, die der Goldschmiedekunst ähnelten, wurden sie zu wahren Kunstwerken. Berühmt ist das Waffeleisen, das der Goldschmied Francesco Roscetto für die Familie Sforza anfertigte und das heute in der Nationalgalerie von Umbrien aufbewahrt wird. Es zeigt, wie diese Geräte – graviert mit Wappen, Glückwunschformeln und Wahlsprüchen – anlässlich von Verlobungen und Hochzeiten in Auftrag gegeben wurden.














