Panoramablick auf Arrone mit dem mittelalterlichen Dorf auf dem Hügel und dem Stadtturm, der das umliegende Tal überragt.

Sommer, 7 Tage in der Valnerina

Die Valnerina bietet im Sommer ein überraschend angenehmes Mikroklima. Die engen Schluchten und die üppige Vegetation entlang des Flusses Nera sorgen selbst an den heißesten Tagen für angenehme Frische, während die höheren Lagen der Sibillinischen Berge zu Wanderungen und Fahrradtouren einladen. Diese siebentägige Reiseroute verbindet Wassersport, Klettern, Wanderungen und Besuche in Dörfern, die auf eine jahrtausendealte Geschichte zurückblicken.

Die Rocca Albornoziana von Spoleto bei Sonnenuntergang auf dem Hügel, mit dem Giro della Rocca, von dem die Ponte delle Torri ausgeht.
Tag 1 – Spoleto, das Tor zur Valnerina

Die Reise beginnt in Spoleto, einer idealen Stadt für einen ersten Tag zwischen Kunst, Geschichte und Natur. Das bekannteste Wahrzeichen ist die Ponte delle Torri, das beeindruckende mittelalterliche Aquädukt, das die Altstadt mit Monteluco verbindet. Von der Brücke, die auf neun Pfeilern ruht (die beiden höchsten sind hohl und dienten möglicherweise einst als Wachtürme), führt der Giro dei Condottti, ein Panoramawanderweg entlang der alten Wasserleitungen und der Hänge des Monteluco.

Der Weg kann bis zum Gipfel im Heiligen Wald fortgesetzt werden, einem schattigen und kühlen Ort, der besonders an Sommertagen angenehm ist.

Der direkteste Weg in die Valnerina führt über die SS 685 „Tre Valli Umbre“ durch den Tunnel von Forca di Cerro. Hinter dem Tunnel öffnet sich das Tal des Flusses Nera.

Blick auf Vallo di Nera, ein mittelalterliches Steindorf, eingebettet zwischen den Bergen und Wäldern des Valnerina-Tals.
Tag 2 – Vallo di Nera und der Eremitenpfad

Dieser Tag ist Vallo di Nera gewidmet, einem der schönsten Dörfer Italiens. Intakte mittelalterliche Mauern und ein Labyrinth aus engen Steingassen prägen das Ortsbild. Die Kirche Santa Maria Assunta beherbergt bedeutende Fresken der Giotto-Schule.

Von Vallo di Nera aus beginnt der Eremitenpfad, ein Rundweg von etwa 10 bis 12 Kilometern Länge. Er führt über Castel San Felice und die Abtei der Heiligen Felix und Maurus nach Sant’Anatolia di Narco und durchquert dabei Steineichenwälder. Auf dem Rückweg kann man einem Abschnitt der ehemaligen Bahnstrecke Spoleto–Norcia folgen.

Alternativ bietet sich die kürzere Rundwanderung von Piedipaterno (etwa 8 Kilometer) an. Sie verläuft entlang des Flusses, führt an einer alten Mühle vorbei und bietet beeindruckende Ausblicke auf die zum Klettern erschlossenen Felswände.

Panorama von Ferentillo mit dem Ortskern, dem Glockenturm der Kirche Santo Stefano und den Bergen des Valnerina-Tals im Hintergrund.
Tag 3 – Arrone, Ferentillo und die Nera Greenway

Das mittelalterliche Dorf Arrone erhebt sich auf einem Felsvorsprung hoch über dem Fluss Nera. Die Burg, die von einem mächtigen quadratischen Turm mit einem Olivenbaum – dem Wahrzeichen des Ortes – überragt wird, wurde von der Familie Arroni errichtet. Der Überlieferung nach ließ sich um das Jahr 880 ein römischer Exilant namens Arrone hier nieder und gründete den ältesten Teil der Siedlung.

Von Arrone oder dem nahe gelegenen Ferentillo aus erreicht man die Fahrradweg des Flusses Nera, einen unbefestigten Weg, der zu Fuß, mit dem Fahrrad oder zu Pferd erkundet werden kann. Er folgt dem Flusslauf in gemächlichem Tempo und führt entweder zu den Marmore-Wasserfällen (12 km) oder in die entgegengesetzte Richtung nach Scheggino und Sant’Anatolia di Narco (15 km). Ein Abschnitt der Greenway verläuft zudem auf der Franziskusweg, dem Pilgerweg zu den Wirkungsstätten des Heiligen von Assisi.

Ferentillo besitzt zwei außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten. Die Abtei San Pietro in Valle bewahrt einen der bedeutendsten romanischen Freskenzyklen Umbriens. Nicht weit davon entfernt beherbergt die Mumiengruft in der Kirche Santo Stefano natürlich konservierte Körper aus dem 16. Jahrhundert, deren außergewöhnlicher Erhaltungszustand Wissenschaftler aus aller Welt fasziniert hat. Den Abschluss des Tages bildet das Klettern an der Falesia di Ferentillo. Die Routen reichen von 15 bis 120 Metern Höhe und bieten Herausforderungen für jedes Niveau. Der Sektor „Le Mummie“ eignet sich besonders für Anfänger.

Der Marmore-Wasserfall inmitten üppiger Vegetation mit mehreren Wasserfällen und Nebel, der durch die Kraft des Wassers entsteht.
Tag 4 – Die Marmore-Wasserfälle

Mit einer Höhe von 165 Metern gehören die Marmore-Wasserfälle zu den eindrucksvollsten Wasserfällen Italiens. Nur wenige wissen jedoch, dass sie künstlichen Ursprungs sind: Die Römer leiteten den Fluss Velino in die Nera um, um die Ebene von Rieti trockenzulegen.

Heute können die drei Wasserfälle sowohl vom oberen Aussichtspunkt, der den ersten Fall zeigt, als auch vom unteren Aussichtspunkt, der einen Gesamtblick ermöglicht, bewundert werden. Im Sommer sorgt die nächtliche Beleuchtung für ein besonders eindrucksvolles Erlebnis.

Die Outdoor-Aktivitäten beschränken sich nicht auf Rafting mit Stromschnellen der Schwierigkeitsgrade II und III. Besucher können außerdem Hydrospeed, River Walking mit Neoprenanzug oder sogar Höhlentouren in der Grotta della Condotta unternehmen, die sich über mehr als 190 Meter erstreckt.

Panorama von Scheggino mit seinem historischen Ortskern aus Stein, durchquert vom Fluss Nera und überragt von den Überresten der Burg.
Tag 5 – Scheggino, Ceselli und die mittlere Valnerina

Nach den Wasserfällen folgt die Route dem Tal flussaufwärts. Scheggino verdankt seinen Namen dem felsigen Vorsprung, auf dem das Dorf errichtet wurde. Seine dreieckige Burg kontrollierte einst die einzige Brücke über die Nera in diesem strategisch wichtigen Engpass. Eine historische Kuriosität: Im Jahr 1831 machte der spätere Papst Pius IX., damals noch Bischof von Spoleto, auf der Flucht vor einem Aufstand im Gasthaus von Ceselli Halt, bevor er auf einem Maultier nach Leonessa gebracht wurde.

Von Scheggino führt ein Wanderweg – oder eine kurze Autofahrt – nach Ceselli. Dort befinden sich die alten Sandsteinbrüche für Mühlsteine. Halb verborgen im Wald zeugen sie von einer einst florierenden Industrie, die die Mühlen des gesamten Tals belieferte. Die Kirche San Michele Arcangelo bewahrt Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert. In der Umgebung kreuzen sich zahlreiche Wander- und Mountainbike-Routen.

Luftaufnahme der Tibetbrücke von Sellano, die über dem Tal des Flusses Vigi zwischen Wäldern und Felswänden des Valnerina-Tals schwebt.
Tag 6 – Sellano, Preci und Triponzo

Sellano zählt zu den schönsten Dörfern Italiens. Die Tibetbrücke, die höchste Europas, verbindet die Altstadt mit dem Ortsteil Montesanto und schwebt hoch über dem Tal des Vigi-Bachs. Die Überquerung der 517 Meter langen und 175 Meter hohen Brücke dauert etwa fünfzig Minuten. Nicht versäumen sollte man den Wanderweg zu den Cascate delle Rote, der durch Wälder und entlang von Bächen zum sogenannten „Loch Ness Italiens“ führt – einem künstlichen See, in dem der Legende nach einst eine riesige Forelle lebte. Die lokale Küche bietet zwei typische Spezialitäten: die Fojata, einen herzhaften Kräuterkuchen, und die Attorta, ein gerolltes Gebäck mit Äpfeln, Walnüssen und Zimt.

Anschließend geht es weiter nach Triponzo, das für den Zusammenfluss von Nera und Corno bekannt ist – ein eindrucksvolles Naturschauspiel. Hier befinden sich die Überreste einer römischen Brücke sowie ein Wasserkraftwerk, ein interessantes Beispiel industrieller Archäologie. In der Nähe liegen die historischen Thermalquellen mit ihrem natürlichen Schwefelwasser. Schließlich erreicht man Preci, die Heimat der berühmten Chirurgenschule. Über Jahrhunderte hinweg waren Chirurgen aus Preci an den europäischen Höfen gefragt und galten als Wegbereiter moderner medizinischer Praktiken. Sehenswert ist das Mühlenmuseum, das in einer historischen Wassermühle untergebracht ist, die teilweise noch heute in Betrieb ist. Preci bildet zudem das östliche Eingangstor zum Nationalpark der Sibillinischen Berge.

Das Heiligtum der Heiligen Rita in Roccaporena, auf einem Felsvorsprung erbaut und umgeben von den Wäldern und Bergen des Valnerina-Tals.
Tag 7 – Roccaporena und Cascia

Der letzte Tag steht ganz im Zeichen von Spiritualität und Natur. Roccaporena, der Geburtsort der heiligen Rita, beherbergt die Grotta dell’Oro, eine Höhle, in die sich die Heilige zum Gebet zurückzog. Einer vorchristlichen Legende zufolge befand sich hier einst ein Orakel der Nymphe Porrina, von der sich möglicherweise auch der Ortsname ableitet. Die Scala Santa ist eine steile Treppe, die Pilger traditionell auf den Knien hinaufsteigen, um die Zelle der heiligen Rita zu erreichen.

Im höher gelegenen Teil von Cascia befinden sich das Heiligtum der heiligen Rita sowie ein Naturpark mit zeitgenössischen Kunstinstallationen, die von Natur und Meditation inspiriert sind. Den Abschluss der Reise bildet ein Abendessen mit regionalen Spezialitäten wie Castelluccio-Linsen mit IGP-Siegel, schwarzem Trüffel und Strangozzi mit Wildschweinragout. Ganz in der Nähe liegt Norcia, die Geburtsstadt des heiligen Benedikt – und der perfekte Ausgangspunkt für eine weitere Woche in der Valnerina!