Kirche und Eremitage der Heiligen Illuminata – Guardea
An den Hängen des Monte Civitelle, umgeben von der Stille eines dichten Waldes nahe dem Abschnitt der Via Amerina zwischen Alviano und Guardea, verbirgt sich ein kleines Juwel der Spiritualität: die Eremitage der Heiligen Illuminata. Dieser Klosterkomplex stellt ein seltenes Beispiel ununterbrochener Eremitentradition dar, in dem Natur und Spiritualität seit mehr als tausend Jahren miteinander verbunden sind.
Die Ursprünge: Der heilige Romuald und die Gründung der Eremitage
Die Entstehung der Eremitage geht auf den Beginn des 11. Jahrhunderts zurück und wird traditionell dem heiligen Romuald, dem Gründer des Kamaldulenserordens, zugeschrieben. Während seiner Wanderungen durch Mittelitalien erkannte er in diesem abgelegenen und bewaldeten Ort den idealen Platz für die Gründung einer Einsiedelei, die er der heiligen Illuminata widmete, einer Mitbürgerin aus Ravenna.
Der hagiographischen Überlieferung zufolge suchte Illuminata Zuflucht in einer Einsiedelei bei Todi, um den Verfolgungen Kaiser Diokletians zu entgehen. Im Jahr 303 wurde sie vom Statthalter von Massa Martana verhaftet und starb noch im selben Jahr, am 29. November, gemeinsam mit ihren Eltern im Gefängnis.
Der Aufenthalt des heiligen Franziskus und die franziskanische Zeit
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde das Kloster den Franziskanern übergeben und begann damit eine neue und bedeutende spirituelle Phase. Besonders wichtig für den Orden wurde der Ort durch die Aufenthalte des heiligen Franziskus von Assisi, der hier mehrfach Einkehr hielt, um Stille und geistliche Sammlung zu suchen.
Getreu seinem Ideal radikaler Armut verzichtete Franziskus darauf, in den Gebäuden des Klosters zu wohnen. Stattdessen bevorzugte er eine natürliche Höhlung, die von zwei gespaltenen Felsblöcken neben der Kirche gebildet wird. Dort befindet sich noch heute ein großer Travertinblock, der als Lectulus Beati Francisci(Lager des seligen Franziskus) bekannt ist, wie die in den Stein eingravierte Inschrift bezeugt.
Im Jahr 1291 gewährte Papst Nikolaus IV. der Kirche Ablässe und erkannte damit offiziell ihre Bedeutung als religiöses Zentrum an. Das Kloster blieb vier Jahrhunderte lang ein lebendiges franziskanisches Zentrum, bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts.
1635 wurde der Komplex von den Franziskanern restauriert, geriet jedoch nur wenige Jahre später in einen raschen Niedergang. 1653 verfügte Papst Innozenz X. die Aufhebung des Klosters, da die Zahl der Mönche auf nur noch acht gesunken war. Der Besitz ging an die Pfarrei Santa Maria dell’Olmo in Amelia über, die ihn einem Einsiedler anvertraute. Die Gottesdienste wurden weiterhin monatlich von den Kapuzinern aus Lugnano in Teverina gefeiert, bis die Kirche 1869 als einsturzgefährdet erklärt wurde und der Kultbetrieb eingestellt werden musste.Nach einer langen Zeit des Verfalls haben jüngste Restaurierungsmaßnahmen der Eremitage und der Kirche neues Leben und neue Würde verliehen. Heute ist dieser Ort erneut ein Ziel für Pilger, Forscher, Wanderer und Liebhaber eines entschleunigten Tourismus.















