The Rocca Paolina
DIE STADT UNTER DER STADT
Beim Durchwandern der unterirdischen Gänge der Rocca Paolina wird man von einer einzigartigen Atmosphäre umhüllt. Was den Besucher beeindruckt, ist das Gefühl, durch eine "verschüttete Stadt" zu gehen, ein Winkel des Mittelalters, in dem das Licht des Himmels von einem Labyrinth antiker Gewölbe blockiert wird. Wie der Architekt Aldo Rossi schrieb, gehört die Rocca eher zum "Wunderbaren" als zur Architektur selbst.
Ein Machtprojekt von Sangallo
Die Geschichte der Rocca hat ihren Ursprung in einem Akt der Macht: Im Jahr 1540, nach dem sogenannten "Salzkrieg", beschloss Papst Paul III., jede Spur der Baglioni-Herrschaft zu tilgen und die rebellische Stadt mit einem unauslöschlichen Symbol der päpstlichen Herrschaft zu kennzeichnen. Der Auftrag wurde Antonio da Sangallo dem Jüngeren anvertraut, einem der berühmtesten Architekten der Renaissance, der die Festung als ein zweiteiliges Bauwerk konzipierte: einen Palast-Festung auf dem Landone-Hügel und, verbunden durch einen monumentalen Korridor, das Forte di San Cataldo am Fuße des Hügels.
Sangallos vorbereitende Zeichnungen, die heute im Gabinetto dei Disegni e delle Stampe der Uffizien aufbewahrt werden, offenbaren eine außerordentliche Detailgenauigkeit. In einem großformatigen Plan (1678 x 902 mm) vermerkt der Architekt akribisch jedes Element: "muro della terra" (Erdmauer), "questo sie lo migliore pozzo di Perugia" (dies ist der beste Brunnen von Perugia). Jede Zeichnung zeugt von der titanischen Herausforderung, auf einem Höhenunterschied von fast 50 Metern zu bauen und die mittelalterlichen Vorgängerbauten in einer Geste zu integrieren, die Zerstörung mit Bewahrung verband.
Eine hybride Architektur zwischen Renaissance und Tradition
Was die Rocca Paolina zu einem einzigartigen Fall in der Militärarchitektur des 16. Jahrhunderts macht, ist ihr hybrider Charakter. Sangallos Zeichnungen offenbaren ein Projekt, das in die Zukunft blickte, ohne die Vergangenheit zu vergessen: Neben modernen Lösungen für die Artillerie (Geschützplattformen, Schießscharten für Flankenfeuer) tauchen archaische Elemente auf, wie Pechnasen und dekorative Konsolen, die den Bergfried des Forte San Cataldo krönten – direkte Zitate aus den Festungen des 15. Jahrhunderts. Sogar die Fassade des Palast-Festung erinnerte in den frühen Entwürfen an die eleganten Formen des Palazzo Farnese in Rom, als wolle man die Raffinesse einer fürstlichen Residenz mit der harten Notwendigkeit der Verteidigung versöhnen. Diese stilistische Ambivalenz, die militärische Avantgarde mit antiquarischer Nostalgie verband, spiegelte sich auch in der Behandlung der Materialien wider: Wie in einer anderen Zeichnung Sangallos angegeben, "sind die weißen Teile Travertin und die roten Ziegel", was eine gestalterische Sorgfalt unterstreicht, die weit über die reine Funktionalität hinausging.














