Die Kathedrale der Heiligen Floridus und Amantius in Città di Castello
Eine Reise zwischen Renaissancekunst und byzantinischen Erinnerungen
Der Dom von Città di Castello, der den Heiligen Floridus und Amantius, den Schutzpatronen der Stadt, geweiht ist, befindet sich im historischen Stadtzentrum an der Piazza Gabriotti. Er ist nicht nur das wichtigste Gotteshaus der Stadt, sondern ein wahrer steinerner „Palimpsest“, der die majestätische Wirkung der Renaissance mit byzantinischen Anklängen und mittelalterlichen Geheimnissen verbindet.
Ein wenig Geschichte
Der Überlieferung zufolge wurde der Dom im 6. Jahrhundert vom Bischof Floridus und dem Priester Amantius gegründet, die maßgeblich am Wiederaufbau der Stadt nach den Zerstörungen durch die Goten beteiligt waren. Dieser Erzählung nach ließ Floridus die ursprüngliche, dem heiligen Laurentius geweihte Kathedrale an jener Stelle errichten, an der sich zuvor ein von Plinius dem Jüngeren erbauter Tempel befunden hatte. Die ursprüngliche Bausubstanz des heutigen Gebäudes stammt jedoch aus dem 11. Jahrhundert.
Im 14. Jahrhundert wurde die Kathedrale zeitgleich mit dem Bau des Rathauses erneuert. Aus dieser Zeit stammt das schöne Portal an der Seitenfassade. Es zeigt die allegorischen Figuren der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit, aus denen Weinranken hervorgehen, die heilige Szenen und weitere Gestalten umrahmen.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche mehrfach, teilweise umfassend restauriert. Nach dem verheerenden Erdbeben von 1458 wurde sie zwischen 1466 und 1529 nach Plänen von Elia di Bartolomeo, dessen Sohn Tommaso und einem Meister namens Piero di Lombardia vollständig erneuert und den neuen Formen der Renaissancearchitektur angepasst. Schließlich wurde die Fassade im Jahr 1632 nach einem Entwurf von Francesco Lazzari teilweise neu errichtet.
Ein Äußeres voller Kontraste: die unvollendete Fassade und der „ravennatische“ Glockenturm
Schon bei der Ankunft auf der Piazza Gabriotti bietet sich ein außergewöhnlicher Anblick. Das architektonische Erscheinungsbild wird vom Kontrast zwischen der unvollendet gebliebenen Barockfassade und dem ungewöhnlichen zylindrischen Glockenturm bestimmt.
Die monumentale Fassade aus dem 17. Jahrhundert zeigt eine faszinierende Mischung aus grob behauenen Steinblöcken und barockem Dekor. Der untere Bereich wird von einer breiten Freitreppe sowie von Pilastern und Nischen geprägt, die für Statuen vorgesehen waren, welche jedoch nie aufgestellt wurden.
Hinter der Kirche erhebt sich das eigentliche Wahrzeichen der Stadt: ein äußerst seltener runder Glockenturm im romanischen Stil aus dem 11. Jahrhundert. Er stellt eine absolute Ausnahme in der umbrischen Architekturlandschaft dar und erinnert unmittelbar an die Glockentürme von Ravenna und Classe. Damit zeugt er von den engen historischen Verbindungen zwischen diesem Tal und der Adriaküste.
Das Innere: Größe der Renaissance und mittelalterliche Andacht
Das Innere der Kirche besitzt den Grundriss eines lateinischen Kreuzes und besteht aus einem einzigen Kirchenschiff mit Seitenkapellen. Es wird von einer Kassettendecke aus dem 18. Jahrhundert überspannt. Seine heutige Gestalt ist das Ergebnis des Wiederaufbaus im 16. Jahrhundert, der nach einem verheerenden Erdbeben erfolgte, durch das die mittelalterliche Struktur unwiederbringlich beschädigt worden war. Bekrönt wird das Gebäude von der im 18. Jahrhundert errichteten Kuppel von Tommaso Catrani.
Die Seitenkapellen, die zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert von den bedeutendsten Familien Città di Castellos errichtet wurden, sind reich mit Fresken und Leinwandgemälden geschmückt. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Kapelle des Allerheiligsten Sakraments, die als „Cappellone“ bezeichnet wird. In ihr befand sich einst die Tafel mit der Darstellung des Christus in der Glorie von Rosso Fiorentino aus den Jahren 1528 bis 1530, die heute im benachbarten Dommuseum aufbewahrt wird.
Zu den zahlreichen Kunstwerken im Inneren der Kirche zählen Gemälde von Bernardino Gagliardi, Fresken von Tommaso Conca, der von Niccolò Circignani, genannt Pomarancio, gemalte Sturz des heiligen Paulus vom Pferd sowie ein geschnitztes und intarsiertes hölzernes Chorgestühl aus dem Jahr 1540.
Die eigentliche Zeitreise beginnt jedoch beim Hinabsteigen der Stufen zur Unterkirche, der Krypta. Dieser intime und eindrucksvolle Raum aus dem 11. Jahrhundert ist durch mächtige Pfeiler, die niedrige Kreuzgewölbe tragen, in zwei Schiffe gegliedert. Hier befindet sich das spirituelle Herz der Stadt: der Sarkophag mit den Reliquien des Stadtpatrons Floridus.
Ebenfalls hier wird die ungewöhnliche Statue der Schwarzen Madonna von Città di Castello aufbewahrt. Anders als in der klassischen Ikonografie hält diese Madonna nicht das Jesuskind in den Armen, sondern trägt in ihrer linken Hand eine weitere, kleinere weibliche Figur, die eine Kugel hält. Wen oder was stellt sie dar? Es ist ein geheimnisvolles Detail, das Historiker und Besucher seit Jahrhunderten beschäftigt.
Das Dommuseum: eine überwältigende Fülle an Kunst
Neben der Kathedrale befindet sich in den Räumen des Kanonikerpalastes das Diözesanmuseum. Es bewahrt Meisterwerke, die allein schon eine Reise wert wären.
An erster Stelle steht der Schatz von Canoscio aus dem 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. Er zählt zu den seltensten und bedeutendsten Sammlungen frühchristlicher Silberarbeiten weltweit und wurde 1935 zufällig im nahe gelegenen Heiligtum von Canoscio entdeckt.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen außerdem ein Altarvorsatz aus dem 12. Jahrhundert aus getriebenem und vergoldetem Silber, ein Geschenk des aus Città di Castello stammenden Papstes Coelestin II.; die schöne Madonna mit Kind von Pinturicchio aus dem Jahr 1484 sowie der Auferstandene Christus in der Glorie, ein Meisterwerk des manieristischen Künstlers Rosso Fiorentino, das zwischen 1628 und 1630 ausgeführt wurde.
Ob Sie nun historischen Geheimnissen nachspüren, die Renaissance lieben oder einfach als Reisende auf der Suche nach Schönheit sind: Der Dom von Città di Castello erwartet Sie, um Ihnen eine tausendjährige Geschichte zu erzählen, die in Stein und Silber geschrieben wurde.












