Luftaufnahme von Castiglione del Lago bei Sonnenuntergang mit Altstadt am Trasimenischen See.
Der Trasimenische See

Eine ungewöhnliche Reiseroute am Trasimenischen See

Das Gebiet von Castiglione del Lago ist ein offenes Geschichtsbuch der umbrischen Kulturlandschaft.

Hier, am westlichen Ufer des Trasimenischen Sees, überlagern sich verschiedene historische Epochen: Etruskische Nekropolen prägen die Hügel, römische Villen blicken über die Ebene, ländliche Gutshöfe aus der Agrarreform der Jesuiten gliedern die Landschaft, und stille Veränderungen haben im Laufe der Jahrhunderte die charakteristische bäuerliche Architektur geformt.

Diese Route beschränkt sich nicht darauf, Sehenswürdigkeiten zu besuchen – sie vermittelt vielmehr, wie man eine Landschaft lesen und verstehen kann.

Barrierefreiheit

Die gesamte Route verläuft innerhalb des Gemeindegebiets von Castiglione del Lago. Die Rocca del Leone und der Palazzo della Corgna sind vom historischen Zentrum aus bequem zu Fuß erreichbar. Gioiella liegt etwa zehn Autominuten von Castiglione del Lago entfernt. Die römische Villa von Gioiella-Vaiano befindet sich zwischen Gioiella und Vaiano und kann ausschließlich nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. Für die gesamte Route empfiehlt sich die Anreise mit dem Auto.

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Etappe 1
Castiglione del Lago – Eine Inszenierung der Macht zwischen Festung und Palast

Die Reise beginnt in der Ortschaft, die den Trasimenischen See überragt und einst als „vierte Insel“ des Sees galt, weil sie vollständig vom Wasser umgeben war. Castiglione del Lago ist eine befestigte Stadt, in der sich weltliche und kirchliche Macht den städtischen Raum seit jeher in bemerkenswerter Ausgewogenheit teilten.

Die Rocca del Leone (Löwenfestung), die 1247 von Kaiser Friedrich II. von Schwaben in Auftrag gegeben und möglicherweise von Bruder Elias von Cortona entworfen wurde, zählt zu den eindrucksvollsten Beispielen mittelalterlicher Wehrarchitektur Umbriens. Ihr unregelmäßiger fünfeckiger Grundriss mit fünf Türmen wird von einem fast dreißig Meter hohen dreieckigen Bergfried beherrscht. Der Wehrgang bietet einen beeindruckenden Rundblick über den See und die umliegende Landschaft. Heute dient der Innenhof der Festung als natürliches Amphitheater für Sommerveranstaltungen und Weihnachtsaufführungen. Zugleich bewahrt er die Überreste einer kleinen mittelalterlichen Kirche, die derzeit archäologisch untersucht wird. Dabei wurden Gräber aus der Renaissance sowie Fragmente polychromer Wandmalereien freigelegt, die von der langen sakralen Nutzung des Ortes zeugen.

Nur wenige Schritte entfernt verbindet ein eindrucksvoller überdachter Gang die Festung mit dem Palazzo Ducale, auch Palazzo della Corgna genannt. Der Palast wurde ab 1560 von Ascanio della Corgna errichtet und möglicherweise nach Entwürfen von Jacopo Barozzi da Vignola oder Galeazzo Alessi gebaut. Seine prächtigen Innenräume sind mit Fresken von Niccolò Circignani, genannt Il Pomarancio, und Salvio Savini geschmückt. Sie schildern die militärischen Taten des Condottiere Ascanio della Corgna und zählen zu den bedeutendsten Beispielen manieristischer Malerei in Umbrien. Heute beherbergt der Palast das Rathaus sowie das Stadt- und Archäologische Museum. Im historischen Ortskern lohnen außerdem die drei mittelalterlichen Stadttore – Porta Fiorentina, Porta Senese und Porta Perugina – sowie die 1636 errichtete Kirche San Domenico mit den Gräbern der Familie della Corgna einen Besuch.

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Etappe 2
Gioiella – Ein etruskisches Dorf mit jesuitischem Erbe

Wenige Kilometer westlich von Castiglione del Lago, auf einem Hügel mit Blick über das Valdichiana, liegt Gioiella, ein Dorf etruskischen Ursprungs, das bis heute den Charakter einer alten ländlichen Siedlung bewahrt hat. Die Etrusker hinterließen hier eine Nekropole mit dreizehn Kammergräbern – Zeugnisse einer Siedlung, die zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 3. Jahrhundert n. Chr. ihre Blütezeit erlebte. Während der Renaissance wurde Gioiella zum bevorzugten Jagdsitz Ascanio della Corgnas, der hier einen Palast errichten ließ, der heute als Palazzo Dini bekannt ist.

Ein weniger bekanntes Kapitel der Ortsgeschichte macht Gioiella jedoch besonders interessant für alle, die Kulturlandschaften verstehen möchten. Im Jahr 1566 erhielt die Gesellschaft Jesu weitläufige Ländereien rund um Gioiella in ewiger Erbpacht (Emphyteuse) und schuf damit einen für die Region außergewöhnlich großen landwirtschaftlichen Besitz. 1766 fertigte der aus Bologna stammende Geometer und Architekt Francesco Maria Tiroli ein Cabreo – ein illustriertes Güterverzeichnis – an, das Grundrisse und Ansichten der neun jesuitischen Hofanlagen mit großer Genauigkeit dokumentiert.

Die Kirche San Lorenzo, die im Ort auch als „Chiesa Maggiore“ bezeichnet wird, ist heute das wichtigste erhaltene Zeugnis dieses ehemaligen Jesuitengutes. Beim Spaziergang durch die Gassen lassen sich noch immer Spuren dieser Vergangenheit erkennen: übereinanderliegende Mauerwerke, nachträgliche Erweiterungen und die Struktur einer Agrarlandschaft, die sich ständig weiterentwickelt hat, ohne ihr historisches Gedächtnis zu verlieren.

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Etappe 3
Die römische Villa von Gioiella-Vaiano – Vergessener Luxus

Nur wenige Kilometer von Gioiella entfernt, zwischen den Hügeln, die zum Chiusi-See abfallen, verbirgt sich eine archäologische Stätte von außergewöhnlicher Bedeutung: die römische Villa von Gioiella-Vaiano, die seit 2015 im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts ausgegraben wird.

Die Villa war vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. bewohnt und überblickte eine Seenlandschaft, die sich grundlegend von der heutigen unterschied. Damals floss der Fluss Clanis langsam durch das Valdichiana und speiste Seen und Sümpfe, die inzwischen trockengelegt worden sind.

Die Ausgrabungen brachten eine weitläufige Thermenanlage mit einem teilweise erhaltenen Hypokaustum – dem römischen Fußbodenheizungssystem – sowie ein monumentales Nymphäum mit Wasserbecken und Wänden zutage, die den Eindruck einer natürlichen Grotte vermittelten. Funde von importiertem Marmor, Amphoren und Ziegeln mit dem Stempel LATALLIANI lassen darauf schließen, dass die Villa einem wohlhabenden Besitzer gehörte, der in Handelsnetzwerke weit über Mittelitalien hinaus eingebunden war. Die Villa war somit nicht nur ein landwirtschaftlicher Betrieb, sondern zugleich ein repräsentativer Wohnsitz, der Reichtum, gesellschaftliches Ansehen und Macht demonstrierte.

Als erste römische Fundstätte der Region, die systematisch archäologisch untersucht wurde, bietet sie einzigartige Einblicke in das wirtschaftliche und soziale Leben des ager clusinus während der Kaiserzeit.

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Etappe 4
Eine Landschaft, die Geschichten erzählt – Zwischen jesuitischen Gutshöfen und ländlicher Baukultur

Den Abschluss der Route bildet eine Entdeckung der ländlichen Kulturlandschaft rund um Castiglione del Lago – einer Landschaft, die niemals statisch war, sondern durch die Arbeit der Bauern und die Erfordernisse des Alltags ständig neu gestaltet wurde.

Der Vergleich zwischen den Zeichnungen Francesco Maria Tirolis aus dem 18. Jahrhundert und dem heutigen Zustand der Gutshöfe Prime Balze, Quarte Balze, Santa Lucia, Pontone, Sant'Eleuterio und Terze Balze zeigt einen Entwicklungsprozess, der zugleich eine Lektion in Baugeschichte darstellt. Die oft dreigeteilten Bauernhäuser wuchsen schrittweise durch den Anbau unterschiedlich großer Gebäudeteile; außenliegende Treppen bezeugen spätere Aufstockungen. Was nicht mehr tragfähig war, wurde ersetzt; solide Bauteile wurden verstärkt und wiederholt. In manchen Fällen blieb die ursprüngliche Struktur – ein zweigeschossiger Baukörper, ein Treppenhaus und ein angebautes Nebengebäude – über Generationen erhalten, fast wie ein genetisches Gedächtnis der Architektur. In anderen Fällen, etwa beim Gutshof Pontone, verwandelten die Verdoppelung der Gebäudefläche und der Bau einer zweigeschossigen Arkade funktionale Notwendigkeit in architektonische Qualität.

Diese Landschaft, die Leonardo da Vinci auf seiner Karte des Valdichiana verewigte und die Goethe als „außerordentlich lieblich“ beschrieb, ist heute ein Kulturerbe von hohem Wert, das bewahrt werden sollte. Jeder Gutshof, jedes Bauernhaus und jeder erhaltene Mauerrest erzählt von Anpassungsfähigkeit, Ausdauer, harter Arbeit und menschlichem Erfindungsgeist.

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