Banner mit der Aufschrift „Umbrien in der Literatur“, mit einer umbrischen Landschaft, einer Basilika, einem Hügeldorf und einer Brücke sowie alten Büchern und einem Notizbuch mit Feder
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Umbrien in der Literatur

Eine Reise durch die Seiten und die Orte, die sie inspiriert haben

„Ein Garten Mittelitaliens, belebt von grünen Hügeln und Olivenhainen, von heiteren Tälern und wasserreichen Bächen.“ So sah Ferdinand Gregorovius (Spaziergänge durch Italien, 1906) Umbrien. Vor ihm Dante Alighieri, Johann Wolfgang von Goethe, Percy Bysshe Shelley. Diese Region wurde nicht nur durchquert: Sie wurde beschrieben. Von den unsterblichen Versen der Göttlichen Komödie bis zu den Seiten der Italienischen Reise, von den Landschaften, die Plinius der Ältere schilderte, bis zu den stillen Meditationen der Dichter – Umbrien ist seit Jahrhunderten eine Geographie der Imagination.

Im Jahr 1462 erfasste der spätere Papst Pius II. beim Durchqueren dieser Landschaft ihre natürliche Anmut mit Worten, die noch heute ein lebendiges Bild dieses Landes vermitteln:

„Wohin du auch den Blick wendest, alles ist wunderschön… Der edle Tiber trennt, wie eine Schlange mit tausend Windungen, die Tuscia von Umbrien.“
— Enea Silvio Piccolomini, Commentarii (1462)

Es ist ein gelehrter und poetischer Blick, der das Wesen Umbriens zusammenfasst: eine tiefe Harmonie zwischen dem Werk des Menschen und dem langsamen Rhythmus der Natur. Ein Gleichgewicht, das – in eine Reiseroute durch die Worte derer verwandelt, die es beschrieben haben – imstande ist, eine einfache Reise in eine kulturelle und poetische Erfahrung zu verwandeln.

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Etappe 1
Trasimeno – Der See, der erinnert

Der Trasimenische See ist ein uralter Ort, ein Wasserspiegel, der Kriege, Mythen und Stille bewahrt. Seine Erinnerungen reichen bis in die römische Zeit zurück, als sein Name durch die tragische Niederlage, die Hannibal Barca den Römern im Jahr 217 v. Chr. zufügte, in die Geschichte einging. Der Historiker Titus Livius erinnert daran so:

„Beim Trasimenischen See wurde Flaminius getötet und das römische Heer vernichtet.“
— Titus Livius, Ab Urbe Condita, XXII

Neben der Geschichte lebt die Legende. In den Punica von Silius Italicus (1. Jh. n. Chr.) wird erzählt, dass der junge Trasimeno, Sohn des tyrrhenischen Königs, die Nymphe Agilla liebte. Sie ergriff ihn am Ufer und zog ihn in die Tiefen. Der See erhielt seinen Namen, und seine Wasser bewahren für immer diesen Körper. Eine Erzählung, die in der Renaissance im epischen Gedicht La Trasimenide (16. Jahrhundert) von Matteo dall’Isola wieder aufgenommen wurde: Der See wird zur Bühne von Liebe und Schicksal.

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Etappe 2
Gubbio – Die Stadt aus lebendigem Stein

Gubbio scheint zwischen den Epochen zu schweben: uralt in ihren Ursprüngen, mittelalterlich in ihrem Erscheinungsbild und doch lebendig im heutigen Blick.

Ihre Identität ist eng mit der des umbrischen Volkes verbunden, das bedeutende Zeugnisse hinterlassen hat, wie die Eugubinischen Tafeln – eine der wichtigsten Quellen der altumbrischen Sprache, die sogar in der Literatur von Leo Tolstoy erwähnt werden:

„Aleksej Alexandrowitsch ließ den Tee im Arbeitszimmer servieren und ging zu dem Sessel, neben dem eine Lampe und ein französisches Buch über die Eugubinischen Tafeln bereitlagen, in dessen Lektüre er begonnen hatte.“
 — Leo Tolstoi, Anna Karenina (1887)

Beim Spaziergang durch die Straßen der Stadt hat man das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben. Hermann Hesse erfasste ihr Wesen so:

„Von Gubbio hatte ich erzählen hören, es sei eine herrliche Stadt, erbaut am steilen Hang eines Berges, mit fabelhaften Palästen und kühnen Türmen, ein Wunder architektonischer Kunstfertigkeit.“
 — Hermann Hesse, Reisetagebuch – Aus Italien (1901)

Auf dem Weg hinauf zum Palazzo dei Consoli, zwischen engen Gassen und kleinen Werkstätten, zeigt sich eine tief verwurzelte Handwerkstradition, etwa die Renaissance-Keramik von Mastro Giorgio Andreoli. Seine Majoliken inspirierten auch Gabriele d’Annunzio:

„Der unvergängliche Ton erglänzt durch die Kunst des Mastro Giorgio; und in der ganzen Welt rötet sich dein hoher Ruhm daran.“
 — Gabriele d’Annunzio, Laudi – Elettra (1903)

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Etappe 3
Perugia – Die Stadt, die zum Himmel aufsteigt

Beim Durchschreiten des Etruskischen Bogens begegnet der Blick in Stein gemeißelten Worten: „Augusta Perusia“. Alte Spuren, die von der tiefen Geschichte der umbrischen Hauptstadt erzählen.

Perugia offenbart sich in ihrer Vertikalität: auf ihrer Akropolis thronend, nach oben strebend. Von hier aus öffnet sich der Blick und umfasst ferne Horizonte – ganz so, wie es in den Versen von Dante Alighieri heißt:

„Daher fühlt Perugia Kälte und Wärme von Porta Sole.“
— Göttliche Komödie, Paradies, Gesang XI

Perugia zu durchqueren ist eine Erfahrung des ständigen Aufstiegs, geprägt von Ausblicken, die sich langsam eröffnen, und von einer Schönheit, die sich nicht sofort preisgibt, sondern Schritt für Schritt entdeckt werden will.

Diese Stadt war die Wiege großer Meister wie Pietro Vannucci, über den Giorgio Vasari schrieb:

„Pietro Perugino war ein höchst hervorragender Maler…“
— Giorgio Vasari, Die Leben der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten (1550)

Noch heute kann man, auf dem Weg zum Collegio del Cambio, um seine berühmten Fresken zu bewundern, jenes Staunen nachempfinden, das Stendhal während seiner Aufenthalte 1811 und 1817 empfand, in einer Stadt, die er so beschrieb:

„Perugia ist ganz ein Aufstieg… Die Straßen scheinen Treppen zu sein.“
— Stendhal, Rom, Neapel und Florenz (1817)

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Etappe 4
Assisi – Die Stadt des Franziskus

Assisi erscheint schon von weitem wie ein Ort zwischen Stein und Licht, Träger einer Spiritualität, die tief im Mittelalter verwurzelt ist. Eine der frühesten Erwähnungen der Stadt stammt von Thomas of Celano, dem Verfasser der ersten Biografie des Saint Francis of Assisi:

„In der Stadt Assisi wurde ein einfacher und rechtschaffener Mann geboren.“
— Thomas von Celano, Erste Lebensbeschreibung des heiligen Franziskus (13. Jh.)

In den folgenden Jahrhunderten lebt Assisi in der Erinnerung und in den Worten der Dichter weiter. Dante Alighieri, der Umbrien während seines Exils (1306–1307) durchquerte, sah in Franziskus eine Gestalt, die die Welt zu verwandeln vermochte.

Noch heute, beim Betreten der Oberkirche der Basilika, scheint das Echo jener Verse spürbar:

„Hier liegt der, den man Franziskus nannte, der kleine Mann, der die Braut Armut gewann.“
— Dante Alighieri, Paradies, XI

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Etappe 5
Spoleto – Die Stadt des architektonischen Wunders

Vor der Kulisse grüner Hügel und tiefer Täler erscheint Spoleto wie ein in Stein gemeißeltes Kunstwerk. Hermann Hesse nannte sie in einem Brief an seine Frau:

„Die schönste Entdeckung, die ich in Italien gemacht habe.“
— Hermann Hesse, Aus Italien (1901)

Michelangelo, auf dem Weg nach Loreto, wurde von einem Unwohlsein überrascht und gezwungen, in Spoleto Halt zu machen. Er verweilte an den Hängen der Wälder von Monteluco, wo er in der natürlichen Umgebung rund um die Einsiedelei Santa Maria delle Grazie Erholung fand und notierte:

„Es gibt keinen dauerhafteren Frieden zu suchen als in den Wäldern.“

Auch Johann Wolfgang von Goethe war bei seiner Ankunft am 27. Oktober 1786 besonders von der schwindelerregenden Erscheinung der Ponte delle Torri beeindruckt:

„Ich bin nach Spoleto hinaufgestiegen und auch auf das Aquädukt gegangen, das zugleich eine Brücke von einem Berg zum anderen ist. Die zehn Bögen, die das ganze Tal überragen, aus Ziegeln gebaut, widerstehen sicher den Jahrhunderten, während das Wasser unaufhörlich von einem Ende Spoletos zum anderen fließt.“
— Goethe, Italienische Reise (1786)

Auch Percy Bysshe Shelley beschrieb das imposante, zwischen Bergen und Tal schwebende Bauwerk seiner Frau. Diese war Mary Shelley, die berühmte Autorin von Frankenstein, die es als

„Ein prächtiges Aquädukt“
— The Life and Letters of Mary Wollstonecraft Shelley (1818)

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Etappe 6
Cascata delle Marmore – Die ewige Umarmung der Flüsse

Die Cascata delle Marmore gehört zu jenen Orten, an denen sich Natur und Vorstellungskraft auf besonders eindrucksvolle Weise verbinden. Entstanden durch den Sturz des Velino in den Nera, erzählt sie eine Geschichte, die zunächst in der Geografie wurzelt und später in die Literatur eingeht.

Die frühesten Erwähnungen in der antiken Literatur nennen nicht direkt den Wasserfall, sondern die Flüsse, die ihn speisen. Pliny the Elder in der Naturalis Historia und Virgil verweisen auf diese Gewässer:

„Der Fluss Nera mit seinen schwefelhaltigen Wassern und die Quellen des Velinus.“
— Vergil, Aeneis VII, 517

Erst in der Neuzeit wird die Natur zur Erzählung. Im 17. Jahrhundert nimmt aus der lokalen Überlieferung eine Legende Gestalt an, die Francesco Angeloni (1632) zugeschrieben wird: Sie erzählt von der Liebe zwischen dem Hirten Velino und der Nymphe Nera. Von Juno bestraft, verwandeln sich die beiden in Flüsse – Sinnbild einer Liebe, die im ewigen Zusammenfluss der Wasser weiterlebt und bis heute in Orten wie dem „Balkon der Verliebten“ nachhallt.

Zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert gerieten die Marmorefälle ins Zentrum des Grand Tour und wurden zu einem bevorzugten Ziel europäischer Reisender. Lord Byron beschrieb sie in Childe Harold’s Pilgrimage als:

„Furchtbar schön“
— Lord Byron, Childe Harold’s Pilgrimage (1812–1818)

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Etappe 7
Orvieto – Kathedralen aus Licht und heilende Elixiere

Die Stadt Orvieto, deren Ursprünge weit in die Antike zurückreichen, bewahrt geheimnisvolle etruskische Spuren – Tempel, Nekropolen und Zeugnisse vergangener Zivilisationen –, die Gelehrte wie Luigi Fumi fasziniert haben. In seinen Überlegungen zur Herkunft des Namens greift er auf Worte von Fazio degli Uberti zurück:

„Die Stadt Orvieto ist hoch und sonderbar: ihren Namen erhielt sie von den alten Römern, die dorthin gingen, weil die Luft dort gesund ist.“
— Fazio degli Uberti, Dittamondo (1474)

Das Herz der Stadt bildet der Dom, ein Meisterwerk, das Kunst, Glauben und Symbolik vereint. Luigi Fumi beschreibt ihn als ein einzigartiges Werk:

„Der Dom von Orvieto ist … ein Gedicht von wunderbarer und vollkommener christlicher Harmonie. Ähnlich der Göttlichen Komödie teilt er mit ihr die Symbole…“
— Luigi Fumi, Der Dom von Orvieto und die christliche Symbolik (1896)

Orvieto ist auch ein Ort literarischer Kuriositäten. Besonders hervorzuheben ist das Orvietan, ein 1603 von Girolamo Ferranti entwickeltes Elixier, das als universelles Heilmittel gegen Gifte und Krankheiten galt. Sein Ruf verbreitete sich in ganz Europa, bis an den Hof von Ludwig XIV., und fand sogar Eingang in die Literatur: erwähnt in der ersten Fassung der Promessi Sposi sowie von Autoren wie Voltaire, Walter Scott, Honoré de Balzac und Molière:

„Ich muss etwas Orvietan kaufen und es ihm geben; Orvietan ist ein Mittel, von dem viele Menschen großen Nutzen gehabt haben.“
— Molière, L’Amour médecin (1665)

Ein scheinbar kleines Detail – und doch ein Hinweis darauf, wie selbst eine kleine umbrische Stadt durch ihre Traditionen Teil der europäischen Vorstellungswelt werden konnte.

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