Die Kaserne „Gonzaga Ferrante Del Vodice“
Im Stadtgefüge von Foligno, dem grünen Herzen Umbriens, erhebt sich ein architektonischer Komplex, der ein wahres Stück italienischer Geschichte verkörpert: die Kaserne „Gonzaga Ferrante Del Vodice“. Landesweit ist sie als heutiger Sitz des Nationalen Auswahl- und Rekrutierungszentrums des italienischen Heeres bekannt. Für alle, die die historische, patriotische und militärische Seele Folignos entdecken möchten, ist sie ein ganz besonderer Ort.
Ein strategisch bedeutender Militärstandort
Bei einem Spaziergang entlang der imposanten Umfassungsmauern der Kaserne lässt sich noch heute die Atmosphäre des jungen italienischen Nationalstaates nach der Einigung spüren. Um das Jahr 1865 erkannte die neu gegründete italienische Regierung Foligno aufgrund seiner zentralen Lage und seiner entscheidenden Bedeutung als Eisenbahnknotenpunkt als einen Militärstandort von grundlegender strategischer Bedeutung an und beschloss den Bau einer Kaserne.
Der Gebäudekomplex sollte ausdrücklich militärische Aufgaben erfüllen, besass jedoch zugleich eine tiefgreifende politische und gesellschaftliche Bedeutung. Zum ersten Mal erhielt das Land ein einheitliches Verteidigungssystem, in dem der Militärstandort Foligno eine wichtige Rolle spielte.
Im Jahr 1871 verpflichtete sich der Gemeinderat, das für den Bau benötigte Grundstück zur Verfügung zu stellen, und bewilligte 200.000 Lire für die Errichtung der sogenannten Cavallerizza, einer überdachten Reithalle. 1873 wurde die „Gesellschaft von Foligno für den Bau der Militärkaserne“ gegründet. Ihr gehörten örtliche Institutionen und führende Vertreter der Stadtgemeinschaft an: die Gemeinde, die Sparkasse, der Arbeiterverein für gegenseitige Hilfe, die philanthropische Gesellschaft sowie Industrielle, Freiberufler und Grundbesitzer aus der umbrischen Stadt.
Diese breite Beteiligung verdeutlicht, dass das Bauvorhaben nicht nur eine militärische, sondern auch eine ausgeprägte gesellschaftliche und gemeinschaftliche Funktion erfüllen sollte.
Die Bauarbeiten wurden von Giovanni Castellazzi geleitet, einem Offizier des militärischen Geniekorps, Ingenieur und Architekten, der in der Militärarchitektur des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle spielte. Der von Castellazzi entworfene Komplex folgte dem sogenannten Casermette-Modell: einer Reihe von Gebäuden mit unterschiedlichen Funktionen, die um Höfe und gemeinschaftlich genutzte Flächen angeordnet waren.
Der Besuch von König Umberto I. anlässlich der „Grossen Manöver“ verlieh den Bauarbeiten zweifellos neuen Schwung. Am 19. Oktober 1884 verliess schliesslich das Kommando des 1. Artillerieregiments den Palazzo Carrara, wo es bis zur Fertigstellung der Arbeiten vorübergehend untergebracht gewesen war, und bezog die neue, Viktor Emanuel II. gewidmete Kaserne. Nach und nach folgten weitere Einheiten, die zuvor in den Klöstern der Stadt einquartiert gewesen waren.
Aus diesem Anlass wurde am selben Tag im Teatro Apollo, dem späteren Teatro Piermarini, Giuseppe Verdis Oper La Traviata aufgeführt. Von diesem Zeitpunkt an prägte die imposante Militärarchitektur des Komplexes die städtebauliche Entwicklung Folignos und schuf eine unauflösliche gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Verbindung zwischen der Bevölkerung und den Streitkräften.
In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Modernisierungsarbeiten durchgeführt. Dabei blieb man stets den Grundsätzen treu, die bereits den ursprünglichen Bau bestimmt hatten: höchstmögliche operative Effizienz und besonders gute Lebensbedingungen für die dort untergebrachten Soldaten.
Während des Ersten Weltkriegs erlitt die Kaserne Schäden durch Bombenangriffe, in noch stärkerem Masse jedoch während des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Waffenstillstand vom 8. September 1943 übernahm Foligno eine strategisch wichtige Rolle bei der logistischen Unterstützung des Heeres und wurde deshalb schwer bombardiert.
In der Nachkriegszeit wurde das Gebäude vollständig restauriert und 1954 zur „Schule für Offiziers- und Unteroffiziersanwärter der Artillerie“.














