Die Herkunft des Namens
Der Name Lu Cugnuntu ist wahrscheinlich eine dialektale Weiterentwicklung des lateinischen Wortes coniunctio, das „Verbindung“ oder „Vereinigung“ bedeutet. Genau an dieser Stelle treffen die Bäche Valloncello und Acquastrino aufeinander und vereinigen sich zu diesem besonderen hydrogeologischen System.
Einer anderen Deutung zufolge könnte der Begriff vom mittelalterlichen Gebrauch des Wortes coniunctio stammen, das auch die Bedeutung eines Kanals oder einer hydraulischen Verbindung annehmen konnte.
Die besondere Form der Schlucht lädt jedoch auch zu einer poetischen Interpretation des Namens ein: Die Felswände des Canyons nähern sich einander so sehr, als wollten sie sich für immer vereinen, ohne sich jemals wirklich berühren zu können.
Heilkräftige Wasser und therapeutische Nutzung: Das Leprosorium von San Lazzaro
Über Jahrhunderte hinweg galten die Gewässer dieser Gegend als gesundheitsfördernd und heilkräftig, ähnlich wie die berühmten Wasser von Triponzo und Madonna della Peschiera. Dieser Ruf trug vermutlich zur Entstehung eines bedeutenden Zentrums für die Betreuung von Kranken und Pilgern in unmittelbarer Nähe des geologischen Naturdenkmals bei: des Leprosoriums von San Lazzaro.
Seine Gründung geht auf den 24. September 1218 zurück, als Bruder Bono vom Feudalherrn Razzardo, Besitzer der Burg Roccapazza, ein Stück Land erhielt. Er verpflichtete sich, dort eine Kirche und ein Hospitale zur Aufnahme von Leprakranken, Kranken und Reisenden zu errichten. Der Überlieferung zufolge wurde diese Schenkung auch durch das Eingreifen des heiligen Franziskus von Assisi begünstigt. Diese Verbindung blieb in den folgenden Jahrhunderten bestehen, als der Komplex zunächst von den Franziskanern und später von den Benediktinern der Abtei Sant’Eutizio verwaltet wurde.
Bis 1498 spielte die Einrichtung eine bedeutende Rolle bei der Versorgung von Kranken und Pilgern. In diesem Jahr wurde sie durch eine päpstliche Bulle von Papst Innozenz VIII. aufgehoben, welche den Lazarusorden zusammen mit anderen Hospitalorden auflöste und deren Besitz dem Johanniterorden übertrug.
Die Entscheidung, gerade an diesem Ort ein Hospital zu errichten, hing eng mit dem Vorhandensein alter Schwefelquellen zusammen, die heute wahrscheinlich infolge seismischer Ereignisse verschwunden sind. Man schrieb ihnen ähnliche Eigenschaften zu wie den nahegelegenen Heilquellen von Triponzo. An ihre Existenz erinnert der Bericht des Bischofs Lascaris aus dem 18. Jahrhundert, der die Überreste mehrerer Becken erwähnte, die einst zu therapeutischen Badeanlagen gehört hatten.
Noch heute lassen sich in der Nähe der Kirche die Ruinen dieser alten Wasserbecken erkennen. Sie stellen ein wertvolles Zeugnis der historischen therapeutischen Nutzung der Gewässer dieses Ortes dar. Die Erinnerung daran lebt bis heute in den volkstümlichen Überlieferungen fort, die auch dem Wasser des nahegelegenen Wasserfalls heilende und wohltuende Kräfte zuschreiben.