Als Symbole für Festlichkeit, Fülle und guten Wunsch bleiben in Umbrien die Cappelletti in Brühe das Gericht, das an Wintertagen die Häuser wie kein anderes wärmt: eine einfache und kostbare Tradition, die Vergangenheit und Gegenwart in einem einzigen, unwiderstehlichen Löffel vereint.
Geschichte des Cappelletto
Die Römer kannten die Cappelletti noch nicht beim Namen, genossen aber bereits die tracta, einen dünn ausgewalzten Teig mit süßer oder herzhafter Füllung. Auch im Mittelalter und in der Renaissance tauchten gefüllte Teigwaren häufig auf adeligen Tafeln und in Klöstern auf.
Der erste sichere Nachweis der Cappelletti stammt viel später, aus dem Jahr 1811 in der Romagna: Ein Dokument berichtet, dass die Einwohner von Forlì besonders gerne eine mit Ricotta gefüllte Pasta namens Cappelletti aßen—und fügt ironisch hinzu, dass die größten Schleckermäuler die Priester seien. Ein Detail, das auch den Namen erklärt: Die kleinen „Schatzkästchen“ aus Teig erinnern an eine kirchliche Kopfbedeckung.
Die Ankunft der Cappelletti in Umbrien
Von ihren Ursprungsgebieten—wo seit Jahrhunderten der kulinarische Wettstreit zwischen Cappelletto und Tortellino herrscht—verbreitete sich die Tradition südwärts über die Marken bis nach Umbrien.
Hier, in einer Region, die für ihre Wurstwaren berühmt ist, verändert sich die Füllung: Anstelle von Ricotta kommen aromatische Mischungen aus Schwein, Kalb, Huhn oder Pute zum Einsatz—eine kräftige, großzügige Variante, ganz im Sinne der umbrischen Küche.
Cappelletti, Herrscher der Festtage
Heute sind die Cappelletti die unangefochtenen Stars des Weihnachtsessens—und oft auch des Neujahrs. Jede Familie bewahrt ihr eigenes „unschlagbares“ Rezept, streng gehütet und nur an Vertraute weitergegeben.
Die wahre Magie entsteht jedoch bei der gemeinsamen Zubereitung: der von Hand ausgerollte Teig, die Finger, die jeden kleinen Teighut verschließen. Die einzige Regel: Die Cappelletti müssen während des Kochens gut versiegelt bleiben, damit die Füllung nicht entweicht.
