Die Burg von Macerino: Verteidigungs- und Sakralbauten
Die Vergangenheit Macerinos als politisches und strategisches Zentrum ist noch heute in seinen Befestigungsanlagen sichtbar. Die Burg bewahrt ihre Stadtmauer mit vier mächtigen Ecktürmen sowie das Eingangstor, über dem das Wappen der Gemeinde eingraviert ist.
Mehrere religiöse Gebäude befinden sich innerhalb und in der Nähe der Burg:
- Kirche San Biagio: im 10. Jahrhundert innerhalb der Burg errichtet, gegenüber dem Palazzo Massarucci (16. Jahrhundert), lehnt sie an den alten Bergfried der Befestigungsanlage. Das Innere ist dreischiffig und besitzt fünf Altäre sowie einen Freskenzyklus in der Apsis, der dem Schutzheiligen gewidmet ist.
- Kirche Madonna in Fiore: ein kleines Andachtsgebäude aus dem Jahr 1670 direkt außerhalb der Burgmauern. Im Inneren befinden sich Fresken an den Seitenwänden und an der Rückwand, mit einer Darstellung der Madonna mit Kind, gekrönt von Engeln, zwischen Johannes dem Täufer und Karl Borromäus.
- Kirche San Giovenale: nahe dem Friedhof von Macerino gelegen, zeichnet sie sich durch eine fünfeckige Apsis aus. Im Inneren sind Fresken aus verschiedenen Epochen erhalten, darunter ein Heiliger Franziskus in Ekstase aus dem 13. Jahrhundert von einem anonymen umbrischen Maler sowie Gemälde aus dem 17. Jahrhundert mit Johannes dem Täufer, dem heiligen Giovenale in bischöflicher Kleidung und dem heiligen Rochus.
Eine Brücke zwischen den Epochen: von Ponzia bis Lucrezia Borgia
Die alte Route durch die Monti Martani, heute als „Schafstraße“ bekannt, hat über die Jahrhunderte ihre Funktion als Verkehrs- und Transhumanzweg bewahrt.
In der Nähe von Macerino wird dieser Weg durch eine eindrucksvolle monumentale Brücke gekennzeichnet, die vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammt, aber traditionell als „Ponte Romano“ (Römische Brücke) bezeichnet wird. Ein evocativer Name, der an ferne Geschichten erinnert und sich mit den Wegen bedeutender Frauen verbindet, die – real oder legendär – diese Strecke durchquerten.
Die Geschichte von Ponzia: in Stein gemeißelte Erinnerung
In der Kirche San Giovenale wurde ein frühchristlicher Marmorsarkophag entdeckt, der in die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts datiert und heute im Nationalen Archäologischen Museum von Spoleto aufbewahrt wird.
Dieses kunstvolle Grab gehörte Ponzia, einer römischen Adligen aus Sardinien, die auf dem Weg nach Trier war und in der Nähe von Macerino – an einem Ort namens Ripe Rosse oder Pietra Rossa – bei einem Sturz vom Pferd ums Leben kam.
Heute sind nur noch zwei große Fragmente der Vorderplatte erhalten. Dank einer Beschreibung aus dem Jahr 1712 durch Bischof Lascaris lässt sich jedoch das ursprüngliche Erscheinungsbild rekonstruieren: In der Mitte befand sich ein rundes Medaillon mit dem Christusmonogramm, begleitet von Alpha und Omega, mit dem segnenden Christus in einem mit Lilien verzierten Quadrat, flankiert von zwei Musen. Ergänzt wurde das Monument durch ergreifende Verse an den Seiten, in denen Ponzias Ehemann ihren frühen Tod beklagte – noch vor zehn Jahren Ehe und ohne Nachkommen.
Die Anwesenheit des Sarkophags in der Kirche San Giovenale deutet darauf hin, dass ihr Leichnam in den nächstgelegenen sakralen Bereich gebracht wurde. Archäologische Funde bestätigen zudem das Vorhandensein eines frühchristlichen Bestattungsareals, das vermutlich mit einer Kultstätte verbunden war.
Lucrezia Borgia in Portaria: Lebensgeschichten und Todeslegenden
Im Jahr 1499 reiste eine weitere berühmte Frau auf dieser Route: Lucrezia Borgia. Als Tochter von Papst Alexander VI. und Statthalterin von Spoleto wurde sie von Rom aus entsandt, um die Stadt in Besitz zu nehmen. Schwanger durchquerte sie das Gebiet mit ihrem Gefolge und machte in Portaria Halt, wo sie im Schloss residierte.
Um ihre Figur ranken sich zahlreiche Legenden. Eine der bekanntesten betrifft den sogenannten „Palazzaccio“ nahe dem Firenzuola-See, der als eine der alten Residenzen der Familie Cesi gilt. Der Überlieferung zufolge ließ die Adelige dort ihre Liebhaber einsperren und zu langsamer Gefangenschaft verurteilen. Noch heute heißt es, dass man in stürmischen und regnerischen Nächten ihre Schreie aus den unterirdischen Gängen hören könne.
Kuriosität: Macerino, Land der Künstler und Schauspieler
In den 1970er Jahren wurde der Palazzo Massarucci in Macerino zur Residenz der Tochter des Komponisten Gustav Mahler, einer bekannten Bildhauerin.
Die mittelalterliche Burg diente außerdem als Drehort für den Fernsehfilm La terra del ritorno mit Sophia Loren und Sabrina Ferilli.