Die Kirche San Bevignate
Geheimnisse und Rätsel eines Templerkomplexes
Die strenge und zugleich majestätische Kirche San Bevignate befindet sich vor den Toren Perugias, in der Nähe des monumentalen Stadtfriedhofs. Bereits ihre Widmung birgt Rätsel und Geheimnisse, denn sie ist einem „Nicht-Heiligen“ geweiht: dem Einsiedler Bevignate, dessen tatsächliche Existenz bis heute bezweifelt wird. Darüber hinaus ist sie eng mit einem der bedeutendsten, geheimnisvollsten und meistdiskutierten Ritterorden verbunden, die nach dem Ersten Kreuzzug im Heiligen Land entstanden: dem Templerorden.
Eine antike Wäscherei, eine Einsiedelei, ein Papst, ein Templerritter, eine kommunale Institution und eine Bußbruderschaft: die komplexe Geschichte von San Bevignate
Bereits 1238 hatte sich eine Templergemeinschaft im Gebiet von Perugia niedergelassen, in San Giustino d’Arna, dank der Vermittlung des aus Assisi stammenden Bonvicino, Templerritter und Cubicularius (eine Art Staatssekretär) von Papst Gregor IX. Zwischen 1234 und 1235 hielt sich der Papst in Perugia auf, was die Entstehung fruchtbarer Beziehungen zwischen den kommunalen Magistraten und dem päpstlichen Hof begünstigte, an dem Bonvicino eine einflussreiche Rolle spielte.
Zu jener Zeit befand sich die Stadt Perugia in einer Phase starken Wachstums. Die neu an die politische Macht gelangte Volksschicht verspürte das Bedürfnis nach Legitimation durch ein eigenes Heiligtum und einen eigenen Schutzheiligen und wählte dafür den geheimnisvollen Bevignate, der niemals heiliggesprochen wurde und über den keinerlei historische Dokumentation existiert. So entstand Mitte des 13. Jahrhunderts die Kirche San Bevignate, der später ein klösterlicher Komplex angegliedert wurde.
Das für den Bau ausgewählte Gebiet lag bei Porta Sant’Angelo, unmittelbar außerhalb der Stadtmauern. Es war reich an Wäldern und Quellen und bereits durch zahlreiche eremitische Lebenserfahrungen geprägt. Zudem befand sich dort eine antike römische Fullonica (Textilwaschanlage) aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Unter den Einsiedlern, die diese Art von „Thebais“ bewohnten, befand sich auch Raniero Fasani, ein Laie aus Perugia, der im Jahr 1260 die Bußbewegung der Geißler gründete, die sich von hier aus in ganz Europa verbreitete.
Im Jahr 1312 wurde der Templerorden, nachdem er sich mit dem französischen König Philipp dem Schönen überworfen hatte, von Papst Clemens V. aufgehoben. Der Peruginer Komplex ging daraufhin an den Hospitalorden der Ritter von Rhodos über, später an die Nonnen des Johanniterordens und anschließend an verschiedene Bruderschaften. 1860 wurde er Staatseigentum und der Stadt Perugia übergeben. Seit 2009 ist er ein städtisches Museum.
Zeitloser und unbestrittener Reiz
Äußerlich zeigt sich die Kirche schlicht und streng, ganz nach dem Vorbild vieler Bauwerke, die von den Templern im Heiligen Land errichtet wurden.
Der Innenraum besteht aus einem einschiffigen Raum, der durch Bündelpfeiler in zwei Joche gegliedert ist, welche Kreuzrippengewölbe tragen. Das Gewicht der Gewölbe wird durch mächtige äußere Strebepfeiler ausgeglichen, die dem Bauwerk das Aussehen einer Festung verleihen.
Die Apsis ist quadratisch gestaltet und wurde über der Krypta errichtet, die einst das Grab des heiligen Bevignate beherbergte; daher ist sie gegenüber dem Kirchenschiff erhöht. Sie bewahrt noch den ursprünglichen Fußboden aus lokalem weißem und rosafarbenem Stein und wird von einem schönen Triumphbogen eingeleitet.















