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Kirche und Oratorium Santa Maria dei Bianchi

Die Kirche Santa Maria dei Bianchi, ehemals Oratorium der Disziplinierten (oratorio dei Disciplinati) befindet sich im Zentrum von Città della Pieve.

Die Kirche Santa Maria dei Bianchi, früher das Oratorium der Disciplinati, befindet sich im Herzen des historischen Zentrums von Città della Pieve und ist eine der drei Pfarrkirchen der Stadt. Aus einigen Dokumenten geht hervor, dass sie bereits im 13. Jahrhundert als Sitz der Bruderschaft der Disciplinati, die aufgrund ihres weißen Gewandes „Bianchi“ genannt wurde, existierte. Im Mittelalter spielten Bruderschaften eine wichtige soziale Rolle; ihre Aktivitäten wurden durch Vermächtnisse und Spenden der Mitglieder sowie durch Almosen der Gläubigen finanziert (die Löcher in der Außenmauer der Kirche, die zur Sammlung von Almosen dienten, sind noch zu sehen). Dank dieser Beiträge wurde neben der Kirche ein Krankenhaus gebaut, um Pilger aufzunehmen (dies war in dieser Region besonders notwendig, da die Kirche an der Via Romea liegt). Im Jahr 1713 wurde beschlossen, das alte Krankenhaus in eine größere Kirche und die alte Kirche in ein Oratorium umzuwandeln. Die Innenarbeiten wurden 1743 abgeschlossen, die Fassade begann 1772 und wurde um 1780 fertiggestellt. Der Bau reflektiert den Geschmack der Zeit zwischen Rokoko und Klassizismus.
Das Innere ist eine große rechteckige Halle mit Gewölbedecken; darin befinden sich Fresken und Gemälde des römischen Malers Giovanni Miselli, der zwischen 1743 und 1744 für die Dekoration der Kirche verantwortlich war, die Darstellung im Tempel am Hauptaltar sowie die Stuckarbeiten von Stefano Cremoni. Besonders bemerkenswert ist die Orgel an der Gegenfassade, ein Werk von Claudio Carletti aus Fabriano. Erwähnenswert ist auch das Fresko in der Sakristei, gemalt von Antonio Circignani, das die Darstellung Mariens im Tempel (1606) zeigt, leider in schlechtem Zustand. Das Oratorium und die Anbetung der Heiligen Drei Könige Das an die Kirche angrenzende Oratorium ist ein einfacher, aber eleganter rechteckiger Raum. Im Jahr 1504 beauftragte die Bruderschaft der Bianchi Pietro Vannucci mit der Freskenmalerei der Anbetung der Heiligen Drei Könige, die die gesamte Rückwand einnimmt. Im Jahr 1835, während der Drainagearbeiten an der Wand, die das Fresko beherbergt, wurde ein Bleirohr entdeckt, in dem sich zwei handgeschriebene Briefe des Künstlers befanden! Die Briefe, datiert auf 1504, waren an die Auftraggeber gerichtet und enthielten wertvolle Details zur Ausführung des Freskos. Ursprünglich hatte der Maler 200 Florin gefordert, basierend auf den damaligen Marktpreisen, reduzierte das Honorar aber erheblich, da er „Landsmann“ war. In dem zweiten Brief wird jedoch deutlich, dass der Maler schließlich mit 75 Florin zufrieden war. Er bat auch um ein Transportmittel, um von Perugia zu reisen und seine Zeichnungen und Farben zu transportieren, und erhielt dafür ein Maultier. Die Texte der Briefe wurden auf Marmortafeln an den Seitenwänden des kleinen Gebäudes reproduziert. Die Anbetung der Heiligen Drei Könige im Oratorium der Bianchi ist eines der größten und komplexesten Werke des umbrischen Meisters. Vor dem Hintergrund einer wunderschönen Landschaft, die fast den gesamten oberen Teil des Gemäldes einnimmt, versammeln sich Ritter, Hirten und Edelleute um den Stall, in dem sich die Heilige Familie und die drei Könige befinden. Das Gemälde zeigt die für Perugino typische Anmut und Süße, die nicht nur in der Landschaft (die sehr ähnlich zu denen in der Region ist), sondern auch in den Figuren – dreißig davon in Lebensgröße – und in der unvergleichlichen Helligkeit und Farbenpracht zu sehen ist.
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