Der etruskische Bogen von Perugia

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Folgt man der etruskischen Stadtmauer von Perugia (4. Jahrhundert vor Chr.), so erkennt man teils noch sehr deutlich die Stadttore. Durch diese Tore hinaus gelangte man auf die Straßen, die aufs Land oder in die größeren Stadtzentren führten.

Die beiden wichtigsten Tore waren im Norden der etruskische Bogen (auch Augustusbogen genannt) sowie im Süden die Porta Marzia. Die Porta Marzia befindet sich am Ende der Hauptachse der Stadt, die aus Corso Vannucci und Via Rocchi besteht. Beide Eingänge wurden im Rahmen tiefgehender baulicher Veränderungen Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. geschaffen. Etwa zur selben Zeit wurde zudem eine Verschönerung der Stadtmauern vorgenommen.

Die Errichtung der beiden Stadttore geht wahrscheinlich mit der Verlängerung der Via Amerina bis Perugia einher. Die Via Amerina führte durch die Porta Marzia ins Zentrum der Stadt und durch den etruskischen Bogen auf der anderen Seite wieder hinaus. Diese Verbindung festigte mit Sicherheit das Bündnis zwischen der Stadt Perugia und Rom! Während die symbolträchtige Porta Marzia den von Tevere, Assisi, Orvieto oder Rom Kommenden einen einladenden Anblick bot, war der etruskische Bogen auf nördlicher Seite für militärische Zwecke gedacht und vor allem von Gubbio kommend gut zu erreichen.

Der etruskische Bogen, besser bekannt auch als Augustusbogen, Porta Vecchia, Porta Boreale oder Porta Pulchra, wird an beiden Seiten von zwei großen Wachtürmen flankiert. Diese Türme sind von trapezförmiger Struktur und weisen eine Höhe von circa 20 Metern auf.  Der circa zehn Meter hohe Torbogen besteht aus doppelten, keilförmigen Metallringen, die mit der Inschrift „Augusta Perusia" versehen sind. Diese Inschrift entstand in Anschluss an die Kriege von Perugia (Bellum perusinum, 41.-40. Jhd. v. Chr.) im Rahmen der Erneuerung des Rathauses, die der Kaiser in Auftrag gegeben hatte.

Etwas weiter oben, entlang des Innenfrieses, befindet sich mit COLONIA VIBIA eine weitere Inschrift. Diese erinnert an die Zeit des römischen Kaisers Vibio Treboniano Gallo (251-253 n. Chr.), Sohn der Stadt Perugia. An beiden Seiten des Bogens sind zwei leicht hervorstehende Blöcke eingelassen. An dieser Stelle befanden sich vermutlich ursprünglich menschliche Köpfe, die die göttliche Beschützerin der Eingänge darstellen sollten. Aus der Zeit der Renaissance stammt hingegen die elegante Säulenhalle an der Spitze der linksseitigen Bastion. Heute befindet sich dort die Soprintendenza per i beni archivistici e paesaggistici (eine Abteilung des Ministeriums für Kulturgüter, kulturelle Aktivitäten und Tourismus) der Region Umbrien.